Start Alle Berichte zum Hochwasser von Schwester Christina

 

 

WARTEN , WARTEN…

 
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,
 
Ich wünsche Euch verspätet den reichen Segen und den Schutz des HERRN für dieses Jahr. Möge ER SEIN Angesicht nicht von uns wenden und SEINE Gnade nicht weichen. Und dass, was Ihr so viel an Gutem für uns getan habt wird in Eure Herzen zurückstrahlen; da bin ich sicher. Wir hier können nur DANKE sagen.

Bei uns hat das Jahr mit einer Hochwasserkatastrophe begonnen. Seit drei Tagen nun sind wir in Hochspannung. Drei Stauseen sind dermassen überfüllt worden mit Wasser, (um mehr Strom ins Ausland zu verkaufen) dass der Wärmeeinbruch und damit die sofortige Schneeschmelze und der letzte Regen die Behörden gezwungen hat, die Stauseen, d.h. dort die Schleusen zu öffnen. Unmengen von Wasser fliessen nun. Vorgestern Abend wurden die ersten Leute evakuiert. Hier draussen im Livade (in unserem Gebiet), wo die Leute illegal angesiedelt sind, standen gestern die ersten Häuser unter Wasser.

Es gibt nur eine rudimentäre Rettungsmannschaft , kein annähernder Vergleich mit unserer Katastrophenhilfe. So haben wir selbst einen kleinen, aber funktionierenden Krisenstab gebildet, um die Menschen, vor allem die Kinder rechtzeitig rauszukriegen, bevor der Fluss bzw. der See kommt. Sokol hat gestern noch ein Fischerboot organisiert, um notfalls wirklich damit Leute aus dem Wasser zu fischen.

An einem Baum der am Kanal im Wasser steht, haben wir eine Messlatte angebracht und die Männer kontrollieren Tag und Nacht. Wir haben die Leute aufgefordert, einen Notfallsack zu packen für den Fall, dass sei rausmüssen. Total gefährlich sind die elektrischen ungesicherten Leitungen und die ungesicherten Elektroanschlüsse in den Häusern. Wir informierten die Menschen über die Gefahr und baten, die Stecker zu ziehen, falls das Wasser kommt.

Wir versuchen, an die Vernunft zu appellieren und die Herden von den Weiden am See zu nehmen. Wir baten die Hunde von der kurzen Leine zu lassen, damit sie nicht ersaufen usw.

Seit gestern haben wir guten Kontakt mit den Behörden in Shkoder und wir bekamen einen Platz, wo wir evakuiert werden können. Jedoch halten wir die Stadt Shkoder nicht für den passenden Ort, da dort das Wasser dann spätestens eine halbe Stunde später kommt…Wenn das Wasser uns verschont, so können wir die Mütter und Kinder im Zentrum aufnehmen. Das Warten auf Nachrichten ist  eine Anspannung. Und die Nachrichten sind oft widersprüchlich. Wir verlassen uns auf unser Gespür und auf das, was wir an Wasserstandsteigung selbst messen. Und wir vertrauen auf GOTTES Führung, dass wir im entscheidenden Moment dann halt die rechte Entscheidung treffen. Ich spüre die Last der Verantwortung für die Leute, die auf unsere Nachrichten und Weisungen warten, aber ich weiss auch, dass sie ohne dies hilflos sind und wir diese Verantwortung mit der Hilfe Gottes übernommen haben.

Gestern haben wir eine unglaublich schmerzliche Erfahrung  machen müssen. Am Ufer der Buna leben in unglaublich heruntergekommenen Zelten ca. 150 Roma. Bei der Kontrolle des Pegelstandes am Fluss, hielten wir dort an und schauten einfach nach. Was Sr. Michaela und ich dort vorfanden, ist nicht mehr zu beschreiben, nur noch zu beweinen: wir fanden in den Zelten Mütter mit halbnackten Babys, verschreckte Kinder,  alte Frauen auf Tischen hocken, das Wasser gurgelte rundrum, sei waren bis zu den Hüften im schmutzigen Wasser der Buna..Der Wind peitschte alles auf , auf einem Tisch hatten sie noch ein Feuer gemacht in einer grossen Blechpfanne… so und ähnlich fanden wir sie von Zelt zu Zelt…Mir entschlüpfte einfach nur: „O mein Gott“.. Und  ich wusste nur: wir müssen sie da rauskriegen, sonst ertrinken sie in der Nacht.

Wir telefonierten mit der Stadt und sie sagten uns, wir sollen mit einigen Vertretern der Roma in das Rathaus kommen. Ich sprach mit den Männern, die aber plötzlich wie gelähmt waren und mir mitteilten, sie könnten dies nicht….Ich schrie gegen den Wind und gegen den Fluss: „ja warum denn in aller Welt“?? .. und dann liessen sie raus, dass sie dafür ihren „Besitzer“ fragen müssten.

Ich konnte mit dem „Besitzer“ Kontakt aufnehmen und ihn zum JA veranlassen. Er wollte jedoch mit mir vorher die Kaserne anschauen. So sass ich in seinem Benz und hörte zu, wie er mir erzählte, dass er die Roma wie seine Kinder liebe und er sie ja schliesslich nicht wildfremden Leuten überlasse und auch die Sicherheit haben muss, dass sie wirklich gut untergebracht wären.  Ich gab diesem Mann dann etwas ironisch , aber höflich die Garantie, dass wir die Roma mindestens so gut unterbringen, wie sie jetzt bei ihm in den Zelten im Hochwasser untergebracht sind.. Dann wurden sie mit Bussen von der Polizei in eine Kaserne gebracht. Dort war ausser Steinplatten und zwei eingeschlagenen Fenstern und einem nicht mehr nüchternen Kommandanten nichts. So räumten wir um 22.30 hier noch unseren Dachboden und brachten alles in die Kaserne , was wir noch an Decken, Matratzen usw… hatten. Und das Militär trieb in Tirana glatt noch über 100 Matrazen auf. Unser Mitarbeiter Lezi hat in Shkodra noch am Abend alle Bäckereien ausgekauft und konnte 200 kleine Brote kaufen. Bardha, Lezi und Sr Michaela fuhren in der Nacht noch mal in die Kaserne, um alle zu versorgen.

Dann tauchte wieder Besitzer auf mit einem Anruf in der Kaserne. In der Früh um 5 Uhr sind alle zurück.. Heute Abend in der Vesper lasen wir eine Bitte für alle Armen, Gefangenen und Flüchtlinge. Und ich dachte: diese Roma sind alles in einem: Arme gefangene Flüchtlinge.

Wir wissen nichts mehr von ihnen und ich weiss auch, dass ich ausser Beten im Moment gar nichts tun kann. Die Angst vor dem Besitzer hat die Angst vor dem Wasser besiegt.

Und wir haben dunkle Ahnungen, was dort mit und bei den Roma geschieht. Und heute Abend ist wieder Regen gemeldet. Sokol kam gerade noch vorbei Er ist übermüdet und hat gesagt, dass er Angst hat vor der kommenden Nacht. Er ist der Verantwortliche draussen, der  mit uns in Kontakt ist. Heute Nacht und schon die Vorige war er alle halbe Stunde am Kanal, um zu messen. Wir beteten einfach  noch und so wissen wir uns trotz aller Spannung in der Hand des Allmächtigen. Und ich denke an vorgestern, wo aus den Wolken ein Sonnenstrahl kam und dann über dem überfluteten Land ein grosser Regenbogen stand.

So bitte ich auch Euch ums Gebet.
Seid herzlich gegrüsst im HERRN

Eure Sr. Maria Christina

alt
 


alt


 

 

Neueste Informationen zur Hochwasserlage

  
Unsere Lieben Daheim,
guten Abend,
wir wollen euch noch ein paar Fotos vom Hochwasserstand von heute, 7. 1. 10 um 10.30 im LIvade schicken. Inzwischen, genau 12 Stunden später ist kein Stückchen Land mehr in Sicht da draußen.
 
Die Frauen und Kinder sind zu Verwandten oder nun bei uns, einige Männer bewachen noch die Häuser. Die Menschen müssen nun das zurück lassen, was sie ganz ganz mühsam aufgebaut hatten. Jetzt ist die Situation, einfach das Leben zu retten.  Wir beten, dass der Staudamm nicht bricht. Die Roma haben wir heute in den Süden evakuiert, wo alle Verwandte haben. Wir sind froh, dass sie in Sicherheit sind - falls auch wir evakuiert werden müssen. Wir haben heute in einem Hotel ein Stückchen weiter weg von hier angefragt, ob wir im Notfall mit 100 Leuten kommen können. Das Hotel liegt 11  Meter höher als Shkoder. Wir haben soviel wie eine  Zusage - so hoffen wir.
Inzwischen haben wir auch  ein Trinkwasserproblem. Es ist ganz einfach nicht mehr trinkbar. Die Kloake der Sickergruben ist in den Brunnen. 
Der Tag war heute wirklich voll von Spannung Hoffen und Bangen, Warten , die wichtigsten Dinge haben wir in den Speicher gebracht, auch einige Matratzen, falls wir  in der Nacht „umziehen“ müssen. So steht unsere Muttergottes auch dort oben und wacht. Und Abraham sagte dann: o wie schön und hat schon seine Matratze gerichtet. Er holt ständig mit seinem Spielzeugautos Leute aus dem Wasser. Er fragt oft: „Mama, haben die Kinder alles? Haben sie Socken? „
Wir sind sehr froh, dass wir immer noch Kleider von Euren Transporten haben und so vor allem noch die Kinder versorgen können. Lebensmittel haben wir teilweise noch vom Tansport zu Weihnachten und Sr. Michaela ist ständig beim Einkauf. Außer einigen Sperrungen war Shkoder bis jetzt noch mit dem Auto zugänglich, aber es wird schwieriger. Es ist einfach schmerzlich, wenn die Menschen hier mit ein paar Habseligkeiten ankommen. Die Mütter weinen, die Kinder schauen entgeistert und sind auch verschreckt.  Unsere Mitarbeiter - jene, die trotz des Wassers noch kommen können - kümmern sich sehr und rührend um alles und alle und beschäftigen auch die Kinder. Die Angst ist natürlich gegenwärtig. In der Nacht hat dann noch der Blitz in unseren Transformator eingeschlagen und uns hat es fast aus dem Bett gehauen. Wir hatten so bis zum späten Nachmittag auch keinerlei Strom. Ich bin sehr froh, dass Sr. Michaela und auch Bardha mit mir wirklich Verantwortung teilen und meine Entscheidungen, die ich treffen muss voll mittragen. Man ist mit Situationen konfrontiert, die einmalig und neu sind. So hat uns z.B. der Bürgermeister von Shkoder beauftragt, selbst zu entscheiden, wann die Leute aus den Häusern gehen sollen und sie dann zu informieren. Sr. Michaela und ich sind dann rausgefahren und haben klar gesehen, dass eben am Vormittag die Zeit war, dass die Familien sich bereit machen müssen, ihre Häuser zu verlassen. Es ist schwer, dies den Menschen zu sagen, ohne Panik zu verbreiten und doch den Ernst der Lage nicht zu verharmlosen. Dann wurde um 11. 45 im Fernsehen und Radio durchgegeben, dass sich alle in den Randgebeiten von Shkoder bereitmachen sollen für die totale Überschwemmung, da alle Schleusen aller drei Stauseen voll geöffnet werden. Uns schlotterten auch die Knie, aber es war klar, dass wir nicht einfach abhauen und die Menschen hier allein lassen. Wir beteten, planten, was planbar war und warteten wieder. Nun, wir sind noch nicht ertrunken und hier auch noch im Trockenen,  wenn das Wasser auch steigt. Morgen sehen wir dann. Es ist schon der fünfte Tag seit beginn der Krise.
Wir beten aus tiefem Herzen und flehen zu Gott, dass ER uns vor dem Schlimmsten bewahren möge. Wir sind eigentlich sehr ruhig und dafür auch dankbar.  
Und von ganzem Herzen danken wir hier Euch allen für all Eure Gebete für uns, für alles, was Ihr tut.
Es grüßt Euch von Herzen und verbunden durch das Gebet
 
Sr. Maria Christina mit allen Schwestern und Abraham und allen,die hier ihre Zuflicht genommen haben.

alt

alt

alt

alt

 

Am 07.01.2010, gg. 20.25 Uhr, teilte Sr. Christina folgende Lageentwicklung mit:
 
Die zunächst im Jugendhaus "Arche Noah" untergebrachten Romas wurden nun von der Regierung nach Tirana gebracht. So befinden sich derzeit ca. 80 Personen, meistens Frauen und Kinder im Jugendhaus. Sie wurden dorthin evakuiert, da bereits in die ersten Häuser der Siedlung im Vorort Skhodras, in Dobrac, Wasser eingedrungen ist. Das Jugenhaus selbst ist ein noch relativ sicherer Ort, ebenso das daneben befindliche Klösterle, wo auch bereits mehrere Familien alle vorhandenen Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz gefüllt haben. Vorsorglich haben die Männer die wichtigsten Dinge in den Dachboden beider Häuser gebracht, denn sie können nicht ausschließen, dass sie das Erdgeschoß doch noch räumen müssen. Für den schlimmsten Fall haben die Ordensschwestern noch eine Zufluchtmöglichkeit in einem Haus, welches auf dem Weg zur Grenze nach Montenegro in gesicherter Höhe liegt. "Ganz weggehen werden wir Schwestern auf keinen Fall, denn dann haben die Leute hier niemanden mehr, der ihnen hilft", so Sr. Christina voller Hoffnung und mit großer Willenskraft in einer wirklich äußerst schwierigen Situation. Weiter besteht die Gefahr, dass demnächst der Strom abgestellt werden muss, da die Leitungen teilweise ungesichert in die Häuser führen. Momentan können wir alle nichts anderes mehr tun als zu hoffen und zu beten.

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat,
heute, Sonntag der. 10. Januar, ist der neunte Tag der Überschwemmung und das Wasser steigt.

 
Was soll ich Euch berichten? Es überschlagen sich jede Stunde die Nachrichten und neue Katastrophale Zustände werden gemeldet.
Daneben versuchen wir , die Tagesstruktur in jedem Fall aufrecht zu erhalten, um das Chaos zu vermeiden, also: Gebetszeiten, Mahlzeiten.....
Dies haben wir auch im Zentrum mit den „Wasseflüchtlingen“ so gesetzt.
 
Wir sind im Zentrum ein „Durchgangslager“ geworden mit den Menschen, die aus den Häusern im Livade müssen und dann aber versuchen, in die Berge  oder zu höher gelegenen Verwandten zu gehen.Unsere Mitarbeiterinnen  sind Tag und Nacht für die Wasserflüchtlinge im Einsatz und leisten Außerordentliches in diesen Tagen.
 
Die Gesamtlage ist katastrophal.
 
Es sind über 12..000 ha Fläche bereits seit gestern Früh überflutet mit steigender Tendenz. Pro Sekunde wurden gestern den ganzen Tag und werden auch heute 23.200 Kubik Wasser aus den Schleusen gelassen. Und die Drini fasst im Normalzustand 2.700 Kubik.
Das große Problem ist, dass in vielen Orten nun die Trinkwasserversorgung komplett zusammengebrochen ist. Es sind etliche Tierherden ertrunken.
 
Hier in unserem Gebiet im Livade  sind nun die Hälfte der Leute weg, nur die Männer bewachen noch die Häuser, weil sie Plünderungen befürchten. Die ersten Türen wurden bereits aus den Häusern heute Nacht geklaut.
 
Gestern Abend noch kam das Militär mit Einheiten von KAFOR um die Zentrale Wasserversorgung von Shkoder - so ca. 200 m weit weg von unserem Haus mit Sandsäcken vor dem zu erwartendem Hochwasser zu schützen. Wir können nur beten, dass diese Trinkwasserversorgung für sicher 130.000 Menschen nicht auch noch zusammenbricht.
 
Auch die Stromversorgung ist natürlich unterbrochen. Die Strommasten sind hier im Livade teilweise nur wackelige dürftige  Baumstämme, die umzufallen drohen. Das ist eine große Gefahr, wenn Starkstromleitungen ins Wasser kippen. Wir haben gestern das Militär aufgefordert, den Leuten den Strom im total überfluteten Livade abzustellen, denn sie sind völlig unvernünftig.
 
Leider regnete es heute Nacht in Strömen und wir haben Sturm mit Gewittern.
 
Wir flehen zu GOTT und sind uns SEINES Schutzes aber sicher. Ihr braucht keinerlei Sorge um uns haben - wir verlassen echtzeitig das Kloster rund gehen ein bisschen höher in ein Hotel,d as uns und unseren Flüchtlingen versprochen ist, wenn es soweit kommt.
 
Wir haben Kontatk zur Dt. Botschaft und auch die Schweizer Botschaft hat angefragt, wie es uns geht.
Wir haben vom Notdienst gestern erfahren, dass die Hilfe gerade koordiniert wird und am Montag aus Deutschland einige Experten kommen, um die  Lage einzuschätzen... Nun versuchen wir,  uns selbst ein Boot zu beschaffen. Wir haben mit einem Fischer einige Familien selbst aus den Häusern geholt. Da ist noch etwas Nettes passiert:
 
Ich bin durch das Wasser gewatet, dass  bis zu oberen Rand meiner Gummistiefel ging. Das sah ein Mann und er schrie: „Halt, wir lassen unsere Schwester doch keine nassen Füße bekommen. Er watete so schnell auf mich zu, dass das Wasser natürlich durch seine Wellen in meine Gummistiefel floss. Dann nahm er mich blitzeschnell und mit soviel Kraft „Huckepack“, dass ich beinahe kopfüber vornerüber ins Wasser gesegelt wäre...Jedenfalls hat er mich dann durchs Wasser huckepack getragen...
Unser Abraham ist heute früh aufgewacht und hat „Alle meine Entchen“ gesungen...
 
So können wir auch noch zwischendurch über manche Absurditäten lachen .
Wir nehmen nun wieder für diesen Tag jede Stunde und handeln, wo es notwendig ist. Wir beten und hoffen, wir organisieren und  planen, wir schimpfen und lachen, wir weinen und tanzen mit den Kindern im Zentrum und mit Abraham. Wir fragen uns manchmal, was wir  wohl machen, wenn dies alles ein Ende hat..
 
Wir sind zuversichtlich und sehen, wie im Zentrum im Garten die schneeweiße Kamelia zu blühen begonnen hat.
So macht Euch keine Sorge um uns, aber bitte betet vor allem für die Armen, die jetzt alles verloren haben.

 

Mit herzlichem Gruß
 
Eure Sr. Maria Christina mit allen, allen hier.

 

Neueste Informationen zur Hochwasserlage

  
 
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat,
heute, Sonntag der. 10. Januar, ist der neunte Tag der Überschwemmung und das Wasser steigt.
 

alt

Was soll ich Euch berichten? Es überschlagen sich jede Stunde die Nachrichten und neue Katastrophale Zustände werden gemeldet.
Daneben versuchen wir , die Tagesstruktur in jedem Fall aufrecht zu erhalten, um das Chaos zu vermeiden, also: Gebetszeiten, Mahlzeiten.....
Dies haben wir auch im Zentrum mit den „Wasseflüchtlingen“ so gesetzt.
 
Wir sind im Zentrum ein „Durchgangslager“ geworden mit den Menschen, die aus den Häusern im Livade müssen und dann aber versuchen, in die Berge  oder zu höher gelegenen Verwandten zu gehen.Unsere Mitarbeiterinnen  sind Tag und Nacht für die Wasserflüchtlinge im Einsatz und leisten Außerordentliches in diesen Tagen.
 
Die Gesamtlage ist katastrophal.
 
Es sind über 12..000 ha Fläche bereits seit gestern Früh überflutet mit steigender Tendenz. Pro Sekunde wurden gestern den ganzen Tag und werden auch heute 2.320 Kubik Wasser aus den Schleusen gelassen. Und die Drini fasst im Normalzustand 2.700 Kubik.
Das große Problem ist, dass in vielen Orten nun die Trinkwasserversorgung komplett zusammengebrochen ist. Es sind etliche Tierherden ertrunken.
 
Hier in unserem Gebiet im Livade  sind nun die Hälfte der Leute weg, nur die Männer bewachen noch die Häuser, weil sie Plünderungen befürchten. Die ersten Türen wurden bereits aus den Häusern heute Nacht geklaut.
 
Gestern Abend noch kam das Militär mit Einheiten von KAFOR um die Zentrale Wasserversorgung von Shkoder - so ca. 200 m weit weg von unserem Haus mit Sandsäcken vor dem zu erwartendem Hochwasser zu schützen. Wir können nur beten, dass diese Trinkwasserversorgung für sicher 130.000 Menschen nicht auch noch zusammenbricht.
 
Auch die Stromversorgung ist natürlich unterbrochen. Die Strommasten sind hier im Livade teilweise nur wackelige dürftige  Baumstämme, die umzufallen drohen. Das ist eine große Gefahr, wenn Starkstromleitungen ins Wasser kippen. Wir haben gestern das Militär aufgefordert, den Leuten den Strom im total überfluteten Livade abzustellen, denn sie sind völlig unvernünftig.
 
Leider regnete es heute Nacht in Strömen und wir haben Sturm mit Gewittern.
 
Wir flehen zu GOTT und sind uns SEINES Schutzes aber sicher. Ihr braucht keinerlei Sorge um uns haben - wir verlassen rechtzeitig das Kloster und gehen ein bisschen höher in ein Hotel, das uns und unseren Flüchtlingen versprochen ist, wenn es soweit kommt.
 
Wir haben Kontakt zur Dt. Botschaft und auch die Schweizer Botschaft hat angefragt, wie es uns geht.
Wir haben vom Notdienst gestern erfahren, dass die Hilfe gerade koordiniert wird und am Montag aus Deutschland einige Experten kommen, um die  Lage einzuschätzen. Nun versuchen wir,  uns selbst ein Boot zu beschaffen. Wir haben mit einem Fischer einige Familien selbst aus den Häusern geholt. Da ist noch etwas Nettes passiert:
 
Ich bin durch das Wasser gewatet, dass  bis zu oberen Rand meiner Gummistiefel ging. Das sah ein Mann und er schrie: „Halt, wir lassen unsere Schwester doch keine nassen Füße bekommen. Er watete so schnell auf mich zu, dass das Wasser natürlich durch seine Wellen in meine Gummistiefel floss. Dann nahm er mich blitzeschnell und mit soviel Kraft „Huckepack“, dass ich beinahe kopfüber vornerüber ins Wasser gesegelt wäre...Jedenfalls hat er mich dann durchs Wasser huckepack getragen...
Unser Abraham ist heute früh aufgewacht und hat „Alle meine Entchen“ gesungen...
 
So können wir auch noch zwischendurch über manche Absurditäten lachen .
Wir nehmen nun wieder für diesen Tag jede Stunde und handeln, wo es notwendig ist. Wir beten und hoffen, wir organisieren und  planen, wir schimpfen und lachen, wir weinen und tanzen mit den Kindern im Zentrum und mit Abraham. Wir fragen uns manchmal, was wir  wohl machen, wenn dies alles ein Ende hat..
 
Wir sind zuversichtlich und sehen, wie im Zentrum im Garten die schneeweiße Kamelia zu blühen begonnen hat.
So macht Euch keine Sorge um uns, aber bitte betet vor allem für die Armen, die jetzt alles verloren haben.

 

Mit herzlichem Gruß
 
Eure Sr. Maria Christina mit allen, allen hier.

 
 
alt

alt

alt

alt

alt

alt

 

Montag, 11. Januar
Liebe Schwestern, liebe Freunde 
Guten Morgen. ganz schnell ein Bericht. 

Es geht uns gut. Leider haben sie uns in der Nacht den Strom abgeschaltet und wir forschen nun nach, ob sie bereits das gesamte Gebiet gesperrt haben wegen Gefahr der Srromschläge.

 
Es hat die ganze Nacht geregnet und die Temperaturen sind empfindlich runter - so gegen Null Grad. Das bededutet,d ass die Menschen frieren und wir mit schweren Erkrankungen rechnen müssen.
 
Trinkwasser gibt es im Livade keines mehr und die zentrale Wasserpumpe wurde noch mit Sandsäcken udn einem hohen Schutzwall gesichert, aber das Wasser ist gekommen und wir können einfach nur beten und beten.
 
Gestern Abend wurde in den Nachrichten angekündigt, dass in jedem Fall die Schleussen noch vier Tage geöffnet bleiben. Die Wassermenge wurde jedoch etwas reduziert.
 
Das überschwemmte Gebeit gleicht einer apokalyptischen gespenstischen Flutlandschaft. Dann schwimmen die ersten Tierkadaver und der gesamte Müll darin herum , es krähen noch ein paar Raben. Ein Stadtteil in Shkoder hatte gestern den Rückfluss der Exkremente zu verkraften.
 
Die beginnende Katastrophe nach der Katastrophe ist die Schlimmere.
 
Gestern bekamen wir Besuch vom Militärattache der Dt. Botschaft , dessen Frau und deren freunde.Sie sind wirklich Freunde und wollten sehen, wie es uns hier geht. Sie fuhren auch mit raus, als wir Pakete vom Weihnachtstrucker verteilt haben. Dann kauften sie das Wasser für die Leute.Trinkwasser wird vermutlich teurer als Wein hier.
 
Seit gestern ist internationales Militär da, um wirklich gut zu unterstützen. Sie haben Boote, gute Fahrzeuge, Generatoren usw...
auch wurden Nahrungsmittel usw.. verteilt. Leider wird die Lage auch politisch ausgeschlachtet..
Ich weiss nicht, wie lange usnere Batterie noch reicht; evtl können wir bald nicht mehr ins Email.
von Herzen danke ich für Eure Gebete ud alles, was Ihr für uns tut.
 
Seid gegrüsst im HERRN
 
Eure Sr.M.Christina mit allen hier.

 

 

(Dienstag, 12. Januar)

Guten Morgen.
Ein neuer Morgen und neue Hoffnung !

 
Es geht uns soweit gut - wir hier sind moralisch noch ganz gut beisammen und können so die anderen wirklich auch stützen. Abraham ist ein Hochwassermanager geworden und fährt den ganzen Tag mit Autos rum, baut Helikopter und Boote, um die Menschen aus dem Wasser zu holen. Er verarbeitet das Ganze so recht gesund. Irena und Sokol und die Kinder sind schon recht bedrückt - ihr Haus steht über einen halben Meter im Wasser. Sie wohnen direkt bei uns, die anderen sind im Kinderzentrum.  Die Menschen sind unendlich bedrückt und sie wissen,. dass die Katastrophe nach der Katastrophe die Größere sein wird.  Alles sieht gespenstisch aus und ist einfach schmutziges Wasser.... kein Leben mehr.
 
Seit einer Stunde kommt die Sonne, etwas blauer Himmel und in den Bergen hat es geschneit.Wir mögen dieses Bild noch gar nicht richtig glauben.. Als die Sonne kam, sind wir rumgehüpft wie die kleinen KInder. Es tut gut, wenn auch das Wasser noch steigt, weil die Stauseen noch mindestens drei Tage aufbleiben und Wasser ablassen. Sonne ist etwas ganz besonderes geworden, wo die 11 Tage nur grau und duster waren. Abraham hat gestern Früh gesagt:
„Mama, kein Strom, kein Licht, keine Sterne, kein Mond...nur Regen...“ Und wir wagen es noch gar nicht richtig zu glauben, dass die Sonne noch scheinen kann... und nicht auch ertrunken ist. Und wir danken GOTT .
 
Und wir danken Euch für alles, was Ihr für uns getan habt und für jede Sekunde, die Ihr mit uns seid. Eure Zeichen der Solidarität tun uns gut.Und wir bitten weiter inständig um Euer Gebet.
Seid gegrüßt von Herzen
Eure Sr. M.Christina

Mittwoch, 13.01.2010

Liebe Schwestern und Brüder

Gestern Abend schauten wir noch die Nachrichten. Das Ausmaß der  Überschwemmung ist gigantisch. Gestern hätte ich es fast nicht mehr gepackt - einfach das „danach“. Umso mehr stützen wir uns auf den HERRN.
 
Wir haben gestern noch fünf weitere Wasserflüchtlinge am Abend aufgenommen. Die Frauen und Kinder sind aus dem Haus, weil sie von den Giftschlangen überrascht wurden. Die Viecher haben sich scheinbar in die Häuser gerettet und waren in Küchenschränken, Betten usw...
In Shkoder ist Perash, ein Stadtteil in Richtung Tirana mit Fäkalienwasser überflutet.
 
Offiziell wurde vor  Gefahr der Epidemie gewarnt. Trinkwasser ist auch in unserer Region ein Problem. Wir haben für heute 200 Flaschen Wasser a 5 Liter bestellt und verteilen sie heute, da einige Familien seit  2 Tagen ohne Trinkwasser sind.
 
Wir sind mit der Stadt und der Kommune Dobrac in Verbindung.
 
Problem: die Zugehörigkeit einzelner Häuser ist nicht geklärt. Wir versuchen dies heute zu tun, damit alle auch staatliche Hilfe erhalten. Wir werden jedes überschwemmte Haus fotografieren. Gestern haben wir zwei „Landunter-Anzüge“ erstanden, damit wir durch das Wasser in die Häuser kommen. Teilweise stehen die Wohnungen bis zu einem Meter unter Wasser.
 
Die Straße nach Velipoje ist drei Meter hoch überflutet und das ganze Land natürlich auch. Da das Wasser gestern noch stieg, ist nun auch Chiroke, am anderen Seeufer von uns überflutet.
 
Die Roma haben nichts mehr zu essen, weil sie nicht durchs Hochwasser zum betteln kommen. So haben wir gestern an jede Familie am Hang ein Paket vom Weihnachtstrucker verteilt. Wir können sie ja nicht verhungern lassen. 
 
Gestern ist eine Frau im Livade barfuß im Wasser gestanden. Wir haben ihr sofort Gummistiefel und Socken gegeben. Die Männer, die draußen die Häuser bewachen versorgen wir inzwischen mit Essen und Wasser.
 
Wie es weitergeht, weiß im Moment keiner. Der Staat hat Hilfe versprochen, aber kein Mensch glaubt mehr daran.
Manche Menschen sind einfach nur noch fertig und sehen keine Perspektive mehr. Da kam eine junge Frau, die diese Tage entbindet und die voll überflutet sind. Sie weinte so und meinte, sie könne ihr Baby ja nicht im Hoch-Wasser baden.
 
Wir sind natürlich für sie da. Heute kommt sie mit ihrem Mann hierher. Dann wird das Baby trocken auf die Welt kommen im Krankenhaus und es hinterher mit der Mama gut haben.
 
Nun werde ich mit Sokol die überschwemmten Häuser fotografieren zur Dokumentation für die staatliche Hilfe sofern es diese irgendwann geben wird.
 
Ich darf weiter um Euer Gebet bitten. Danke sehr und seid gegrüßt im HERRN
 
Eure Sr. M. Christina

alt 

 alt

alt

alt

alt

 

 

Arche Noah
16. Januar 2010
 

„Am Abend kam die Taube wieder“
 
Liebe Schwestern und Brüder,
Grüss Gott an diesem Abend.
Der Satz aus der Matthäuspassion von Bach ist mir in den letzten zwei Wochen immer wieder
ins Herz gefallen.
„Am Abend kam die Taube wieder und trug ein Ölblatt in dem Munde….
Der Friedensschluss ist nun mit Gott gemacht“….
Es ist mir ein grosses Bedürfnis, meine Dankbarkeit für all Euer Dasein für uns, für all Eure
Gebete, für alle Hilfe in den letzten zwei Wochen mit diesem Brief auszudrücken.

alt

 

Danken
können wir nicht genug, dies ist uns klar, aber wir beten zu GOTT für Euch, dass Er Euch
vergelte, was wir in diesen wirklich schweren Tagen von Euch an Gutem erfahren durften.
DANKE.
Viel möchte ich sagen, vieles vermag ich gar nicht – noch nicht – auszudrücken.
Wir sind in diesen Tagen der Überschwemmung von so Vielen getragen worden, und wir
wussten uns letztlich in der HAND GOTTES. Die Arche Noah – wie wir unser Zentrum ja
genannt haben - ist im wahrsten Sinne des Wortes zur Arche geworden. Sr. Michaela sagte
mir einmal im Auto genau das, was ich dachte: „Gott hat uns diese Arche nicht umsonst
bauen lassen. Wir sind nun mitten in der Sintflut und ER muss uns da durchretten“. Wir
nickten einander stumm zu und beteten weiter den Rosenkranz.
Wie das Hochwasser kam, das wissen wir eigentlich gar nicht so genau. Es hatte nicht mehr
Niederschläge als sonst auch. Jedenfalls wuchs der See, und die Nachrichten sprachen von
den ersten drohenden Öffnungen der Schleusen am Stausee. Dies war an Neujahr, dann am 2.
Januar ging es mit den Überflutungen schnell weiter, jeden Tag mehr. Nun, seit gestern, fast
genau 14 Tage nach der ersten „Untergangsmeldung“ hat sich die Lage soweit entspannt,
dass das Wasser langsam zurückgeht. Die Verwüstung und Zerstörung ist gross. Die
Katastrophe nach der Katastrophe ist noch nicht absehbar, aber wir vertrauen auch hier auf
die Hilfe Gottes.
In unserem Gebiet sind in etwa 1000 Menschen betroffen, insgesamt im Norden stehen noch
heute etliche Dörfer voll unter Wasser. Ich sitze nun am PC und schaue den Schnee in den
Bergen und die untergehende Sonne und wir alle tun uns fast schwer zu glauben, dass es noch
Sonne, blauen Himmel und grünes Land gibt. Dankbar blicken wir zum Himmel und danken
GOTT, dass ER uns vor dem grossen Untergang durch Bruch der Staumauer und Öffnung
aller Schleusen wunderbar bewahrt hat. Die Gefahr war gross – so gross, dass am 5. Tag der
Überschwemmung, am Donnerstag den 7. Januar um 11. 45 in den Nachrichten an die
Bevölkerung der Aufruf erging, alle in Shkoder und dem Umfeld, sollen sich bereit machen
und in den ersten Stock begeben, denn es werden alle Schleusen um 12. Uhr voll  geöffnet, da
die Gefahr des Bruches der Staumauer zu gross ist. Ich erinnere mich sehr genau an diese
Sekunden: ich war im Zentrum, wo wir in diesen Tagen sicher 25 Leute aus dem Livade
(Gebiet wo Sokol wohnt) evakuiert hatten. Ich stand im Hof mit Abraham, als Irena
kreidebleich auf mich zu kam und sagte, was uns bevorstand.
Fest drückte ich  Abraham an mich und sagte nur: „oh mein GOTT, sei uns gnädig“.
Mein Gefühl in diesen Sekunden kann ich nur schlecht beschreiben: Ganz tief in mir breitete
sich eine völlige Ruhe aus, „darüber“ eine Hoch-Spannung und eine enorme Konzentration
und ich spulte dann in meinem Kopf ab: 11.45 Uhr, eine Viertelstunde knapp noch Zeit, bis
das Wasser bei uns ist, dauert es sicher noch eine Stunde, 25 Flüchtlinge im Haus, 102
Mitarbeiter im Einsatz, Abraham und die zwei jungen Schwestern, Sr. Michaela, die Leute im
Livade. Wir müssen schnell informieren, vorher aber die Information verifizieren. Keine
Panik aufkommen lassen.
Dann kamen aus dem Zentrum bereits die ersten Mütter, die die Nachrichten gehört hatten.
Sie zitterten, hatten Angst. Wir alle standen im strömenden Regen, und wir gingen erst ins
Haus. Dort erklärte ich ruhig die Situation und vor allem, dass wir mit ihnen bleiben, und
dann fingen sie an, den Rosenkranz zu beten. Ich holte sofort Bardha, erklärte die Situation
und bat sie, im Zentrum zu bleiben, bis ich im Kloster alles geregelt habe. Bardha bekam die
Nachricht vom Bürgermeister von Shkoder bestätigt und auch, dass in Shkoder Panik sei und
die Leute im Auto abhauen.
Mutter Andrea, die ständig mit uns in Kontakt stand, wurde von mir sofort verständigt, und
sie erlaubte uns, zu bleiben. Bardha und Irena und Sokol schlugen uns vor, dass wir uns in
Sicherheit bringen sollten – in den Norden so schnell wie möglich, oder an die Grenze und
ausreisen. Jedoch waren Sr. Michaela und ich nie klarer entschieden zu bleiben, als in diesen
Minuten. Der HERR selbst hat uns hierher geholt, wir hätten niemals die Menschen in dieser
Gefahr allein lassen können. Alles ging sekundenschnell. Ich sammelte die Mitarbeiter und
schickte sofort die Mütter heim, die Kinder haben und im Livade und in den am meisten
gefährdeten Zonen wohnten. Wir boten ihnen auch an, sofort mit den Kindern zu uns zu
kommen.
Alle jene, die bleiben wollten, versammelten sich in der Kapelle zum Gebet. Es war 12.05
Uhr. Was soll ich sagen: Der HERR allein weiss, wie sehr wir in Einheit um Rettung vor
dieser angekündigten Sintflut gebetet haben. In diese Situation hinein sagte da unser
Abraham: „Mama, wir bleiben bei den armen Leute, wenn Wasser kommt, dann kommt ein
Hubschrauber von Botschaft“. Der Kleine war sich sicher. Ich dachte an die Prophetenworte.
Der innere Spagat zwischen angekündigter Katastrophe mit unabsehbaren Folgen und
Aufrechterhaltung des Tagesablaufes war fast ein Wahnsinn.
Beim Beten war mir schnell  klar, dass wir zur Sicherheit unseren Dachboden bewohnbar
machen müssen. So räumten wir um: Wasser hoch, ein paar Lebensmittel, Matratzenlager,
Decken, ein paar Kübel für die Notdurft. Sr. Paula trug die Muttergottes, unsere Mutter der
Barmherzigkeit, hoch und baute ihr einen Altar vor dem Speicherfenster. Wie flehte ich die
Mutter der Barmherzigkeit um Hilfe an! Wir packten einige Dinge zum Anziehen hoch, unsere
Passports, alle Dokumente wurden nach oben gebracht, auch die sakralen Gegenstände.
Dann konnten wir nur warten. Ob uns jemand rausholen würde, wenn uns das Wasser bis
zum Hals stünde, das konnten wir einzig GOTT überlassen. Das Mittagessen blieb an diesem
Mittag auf dem Herd. Das Warten auf das Wasser war fast unheimlich, die Spannung in der
Luft  dramatisch. Manchmal mussten wir einfach lachen. Sr Immaculata hatte die Idee, die
Warmwasser-Boiler abzubauen und als Fässer für ein Floss zu benutzen. Sr. Paula wäre am
liebsten an die Arbeit damit gegangen.
Ich kann nicht sagen, wie viele Gebete aus meiner Tiefe kamen. Ich erlebte jedoch, wie die
Mitarbeiter und Wasserflüchtlinge ruhiger wurden, als sie sich sicher waren, dass wir nicht
abhauen. Sie konnten es nicht glauben. Ich fragte auch Bardha und Arta, ob sie nicht fliehen
wollen. Sie sagten entschieden: “Ihr bleibt, wir bleiben“! Wir umarmten uns und weinten.
Und ich dachte an die Arie: „Am Abend kam die Taube wieder“. Irgendwann wird wieder
Leben sein, wo jetzt Wasser ist. Am Tag vorher, als wir ins Livade schon durchs Hochwasser
fuhren und bedrohliche schwarze schwere Wolken den Regen ausschütteten, da kam wie
durch ein Wunder ein Stückchen blauer Himmel und die Sonne hervor. Und es erschien in der
Gegenrichtung ein so wunderbarer Regenbogen, dass wir im Hochwasser ausstiegen und
staunten und an die Verheissung Gottes und SEINES Bundes glaubten. Ich wäre am liebsten
im Hochwasser in die Knie gegangen. Es war der Tag der Erscheinung des HERRN,
Dreikönig.
Irgendwann am Abend entspannte sich die Lage. Es war klar, dass die Schleusen nicht
komplett geöffnet waren. Jedoch war die Lage offiziell nun als  kritisch benannt  und die
Überflutung stieg rasant. Am späten Abend sagte ein alter Architekt, der den Staudamm
mitgebaut hatte, dass die Schleusen defekt sind und nicht alle aufgehen. Vielleicht hat uns so
Gott vor der grossen Flut mit Menschenopfern bewahrt.
Es wurden die Tage über Unmengen von Wasser abgelassen, dazu regnete es in Strömen. Ein
Blitz bei einem schweren Gewitter in der Nacht hatte dann noch unseren Transformator
zerschlagen. Irgendwann wurde auch der Strom abgeschaltet und das Trinkwasser wurde zum
Problem. Genau vor einer Woche, am Samstag, 9. 1., war die zentrale Wasserpumpe in
unserem Gebiet in Gefahr und damit die gesamte Trinkwasserversorgung von 150.000
Menschen in Shkoder. Wir hatten die ganze Zeit guten Kontakt zum Rathaus, und der
Bürgermeister bat uns auch, für den Erhalt der Wasserpumpe zu beten. Die ganze Nacht
baute das Militär einen Damm um die Pumpe, der bis jetzt auch standhielt.
Dramatisch war das Rausholen der Roma aus den brüchigen Zelten direkt am Fluss. .
Schwester Michaela, Bardha und ich sahen sie am Sonntag, 3.Januar beim Vorbeifahren dort
am regelrechten Absaufen. Ich konnte fast nicht glauben, dass dort noch Menschen seien. Wir
gingen zu ihnen, und ich versuchte ihnen zu erklären, dass sie da raus müssen. Sie blieben
stumm. Was wir dann erlebten, ist modernes Sklaventum. Nach zähen Verhandlungen mit dem
herbeigerufenen „Besitzer“ der Roma, nachdem wir die Stadt eingeschaltet hatten, die sofort
die Polizei zur Zwangsevakuierung schickte, konnten wir sie in ein Lager evakuieren. Jedoch
holte sie der Besitzer am nächsten Tag um 5.00 Uhr Früh zurück – buchstäblich ins steigende
Wasser. Ich wagte es noch einmal, in die „Höhle des Löwen“ zu gehen. Auf einer
Verhandlungsbasis, die wie ein hohes Pokern war, liess er die Roma mit ins Zentrum zu uns
gehen. Er hatte natürlich drei Aufseherinnen dabei. So kamen also bei uns gegen Abend 80
Roma an: Mütter mit den Kindern. Wir waren die Station der Rettung der völligen
Überflutung ihrer Zelte in dieser Nacht. Dann war bei uns im Zentrum natürlich was los: Erst
eine grosse Duschaktion bis in die Nacht hinein. In Eile holten wir alle Kleider zusammen,
die wir noch vom Transport hatten. Daneben immer steigendes Wasser, schlimme
Nachrichten vom Anstieg der Überschwemmung. Und die Romakinder tanzten wie verrückt,
sie hauten beim Essen nur so rein, dass wir Unmengen kauften.Ssie klauten wie die Raben, so
dass wir keinen einzigen Löffel mehr hatten usw. Aber wir waren glücklich mit ihnen und vor
allem, dass sie einmal „frei“ waren. Immer wieder tauchte ein „Aufpasser“ auf und
kontrollierte uns und sie. Nach drei Tagen konnten wir sie nach Tirana und Elbasan zu
weiteren Verwandten in vorläufige Sicherheit  bringen. Ich weinte, als sie weggingen.
Diese Roma werden für immer in unseren Gebeten sein und der Schmerz, sie nicht wirklich
„herausholen“ zu können, wird bleiben. Aber sie haben wenigstens einige Tage der
menschenwürdigen Behandlung bei uns erleben dürfen.
In den letzten 2 Wochen durften wir erfahren, wie Gott da ist, wenn die Not am grössten wird.
Wir konnten in allen Lagen ruhig bleiben, wir durften rechtzeitig handeln und reagieren, wir
konnten schwierige Lagen und Situationen in Griff bekommen. Die Stadt Shkoder hatte uns
unversehens die Krisen- Koordination im Livade übergeben. Sie waren froh, dass sich jemand
um das illegale Gebiet kümmerte. Dass wir direkten Zugang zum Krisenstab in Shkoder, zum
Vizebürgermeister und auch zum Bürgermeister hatten ist schon ein Wunder.  Die Behörden
waren uns gegenüber wirklich kooperativ und unterstützen uns, wo sie konnten. So bekamen
wir z.B. jederzeit direkte Informationen.
Vor Ort im Livade bauten wir einen kleinen Krisenstab auf. Die Männer gaben Informationen
an die Leute weiter, z.B. dass das Wasser nicht mehr getrunken werden darf, dass .
elektrische Geräte bzw. Licht abgeschaltet werden muss. Die Gefahr der Stromschläge war
immens. Wir fuhren täglich zweimal ins überflutete Gebiet, und Sokol war ständig vor Ort.
Als das Wasser stieg war es schwierig, die Menschen zu überzeugen, dass sie ihre Häuser
verlassen müssen. Viele warteten so lange, bis sie nicht mehr raus konnten und mit den
Fischerbooten geholt werden mussten. Gott sei Dank hatten wir schon in den ersten Tagen
die Fischerboote angeheuert und bei Sokol und seinem Nachbar positioniert. Zur Vorsorge
hatten wir ein Hotel für den Ernstfall der totalen Überflutung für 100 Leute reserviert. Dieses
Hotel liegt ca. 1 km weiter nördlich und ist 11 Meter über unserem Niveau. Wir bekamen vom
Besitzer eine Zusage. Das war für uns wirklich beruhigend.
So flogen die Tage dahin – irgendwie mit Gewöhnung an die Katastrophe, an das Leben mit
dem Wasser und den Flüchtlingen. In all dem, was neu und chaotisch war, versuchten wir,
unseren Rhythmus aufrecht zu erhalten, wie z.B. die Gebetszeiten, Essenszeiten – auch wenn
dies oft praktisch nicht gelang. Im Kopf blieb dies verankert, und das war gut.
Unser Abraham war ein eigenes Wunder in diesen Tagen: Er hat alles voll wahrgenommen.
Und er hat sich mitten rein begeben in das Gewühl, hat Kleider mit sortiert, Hilfspakete für
die Kinder verpackt und verteilt, hat die Roma mit gewaschen, mit ihnen getanzt und hat mit
seinem Hubschrauber und seinem Boot die Leute aus dem Wasser geholt...“ Er scheint
psychisch absolut gesund, unser Kleiner. Dann sagt er : „Mama, das ist eine Katastrophe,
eine richtige Katastrophe. Haben die Kinder alle Socken und Schuhe jetzt?“
Nun, nach vierzehn Tagen scheint die akute Phase der Überflutung vorüber. Heute ist das
Wasser sicher um einen halben Meter zurück. Sokol ist mit seiner Familie noch bei uns. Ihn
hat es wohl mit fast einem Meter Wasser im Haus am schwersten betroffen. Im Zentrum haben
wir noch etwa 22 Menschen evakuiert. Arta und Alda sind auch bei uns im Kloster. Sie
konnten nicht mehr ins Haus.
Die Menschen sind schon noch wie unter Schock, und vor allem breitet sich Resignation aus.
Vom Staat wird  keine Hilfe erwartet. Der Staat hat einige Lebensmittel und Wasser verteilt,
aber es reicht vorne und hinten nicht. Einige Leute aus dem Gebiet, die vom Staat zur
Verteilung ernannt wurden, haben sich die Lebensmittel selbst unter den Nagel gerissen. Wir
konnten, Gott sei Dank, noch Pakete vom Weihnachtstrucker verteilen, dazu Trinkwasser usw.
Wir kauften Decken, Matratzen, Gummistiefel. Ins Zentrum kommen jeden Tag einige
Männer, die die leeren Häuser bewachen, damit sie nicht geplündert werden. Sie bekommen
dort etwas Warmes zum Essen, können duschen usw. Sr. Paula betet jeden Tag mit den
Kindern und Frauen im Zentrum den Rosenkranz. Dort organisieren unsere wunderbaren
Mitarbeiter – unter Leitung von Bardha - das Leben mit den Flüchtlingen sehr gut. Ohne den
pausenlosen Einsatz unserer MitarbeiterInnen hätten wir diese Tage sicher nicht bewältigt.
Ich kann nur wieder einmal staunend danken für die Treue und  den selbstlosen Einsatz.
So ist nun der halbe Monat Januar des neuen Jahres vorüber, und wir dürfen am Montag
Mutter Andrea hier erwarten. Sie war während dieser Tage mit allen Schwestern ein grosser
spiritueller und menschlicher Rückhalt für uns. DANKE.
Und all die Sorge von so Vielen von Euch, all die Hilfe, all die Gebete, einfach alles Mitsein
mit uns, dies hat uns in diesen Tagen mehr denn je gezeigt, wie GOTT schon sorgt. Wir
Schwestern haben dieses Jahr 2010 unter das Motto TREUE gestellt. Und nie mehr als in den
ersten katastrophalen Tagen des neuen Jahres habe ich GOTT treuer erlebt. Der
Regenbogen, SEINE Verheissung am Himmel, hat allem Wahnsinn standgehalten. Nie haben
wir den Nerv verloren, nie hat die Angst uns gelähmt, nie haben wir uns verlassen gefühlt.
Und ich wusste ganz klar – ohne Überlegung und ohne Hin und Her: Bleiben bei den
Menschen in ihrer Not, dann, wenn uns allen das Wasser buchstäblich  bis zum Halse steht,
dann, wenn die Angst die Menschen lähmt oder aggressiv machen will, dann wenn niemand
weiss, was am Abend ist, bleiben und warten und beten und das Leben in die Hände Gottes
legen, dies ist in diesen Tagen meine Form der Treue zu Gott und den Menschen , mit denen
wir hier leben.
Und wir sind einmal mehr in diesen Tagen zusammengewachsen. Und auch mit Euch allen
hat uns etwas tief verbunden, was ich nicht recht beschreiben kann – vielleicht so: Wir waren
nicht allein – Ihr wart mit uns. DANKE.
Und so gehen wir vertrauensvoll weiter und sind daran, den Wiederaufbau zu planen. Die
Taube mit dem Ölzweig im Schnabel, die ist im Anflug. Wir werden mit den Menschen neue
Ölbäume in die Gärten pflanzen und bezeugen, dass Gott sein Volk nicht verlässt.
Es grüsst Euch von Herzen und bittet um den Segen Gottes für Euch
Eure sehr dankbare Sr. Christina

alt

27. Januar 2010

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat,
grüß Gott miteinander. Immer wieder werde ich angefragt, wie es uns wohl nach der akuten Überschwemmung geht.
Zuerst danke ich für alle Sorge und alles Gebet für uns hier. Und wir bitten weiter um Euer Gebet.
Es geht uns gut, Gott sei Dank.
 
Da unser Kloster kein Hochwasser hatte, können wir von diesem „Stützpunkt“ aus wirklich Hilfe organisieren. Die Lage draussen im Livade ist für die Menschen im Moment sehr schwierig. Das Wasser ist soweit aus den Häusern und zurück bleibt das Chaos.
Es war einige tage schönes Wetter um die 0 grad, seit heute regnet es wieder.
 
Jetzt dann kommen die Menschen zu uns zum Gebet. Diesen Halt in Gott brauchen sie. Ebenfalls die Sinndeutung für sie , was die Katastrophe für sie sagen kann. Mit den Kindern im Kindergarten versuchen wir, das Trauma aufzuarbeiten. Es war Angst und Panik halt vierzehn Tage present. Wir verteilen immer noch Wasser und Nahrungsmittel.Trinkwasser ist ein Problem, da die Brunnen von den Sickerbrunnen mit Fäkalien verseucht sind.
Am Samstag hatten wir alle Leute versammelt und mit ihnen das jetzt angelaufene Aufräumprogramm sowie die Reinigung der Häuser zu besprechen. Alles ist voller Dreck, Müll, Morast und Schlamm, das Heu verfault und stinkt.
 
Ein besonderes Problem sind die Schlangen in den Häusern. Diese Viecher haben sich dorthin geflüchtet und sind überall: in Backofenröhren, in Küchenkästen (eine war um einen Löffel gewickelt), in Kleidern, in Kaminen. Es sind Giftschlangen. Wir wissen nun, was wir im Sommer in den Gärten haben. Wirklich durch wunderbaren Schutz Gottes ist noch niemand gebissen worden. Nun ist vor allem Sr. Michaela mit Irena viel unterwegs, um den Schaden in den Häusern aufzunehmen. Und wir dürfen dankbar auf die Laster aus der Heimat erwarten.
 
Wir bekommen so viele Hilfe, so viele Gebete. Mutter Andrea ist selbst angereist, um einfach die Menschen zu stärken und ihnen ein Zeichen der menschlichen Zuwendung zu geben. Auch für uns ist es natürlich ein Segen, sie mit uns zu haben in diesen Tagen des Aufbaus. Leider erleben wir halt auch, dass sich viele an der Not anderer Menschen bereichern.  Umso dankbarer sind wir für unsere Mitarbeiter hier. Sie haben ihr Letztes gegeben und sind  Wir durften mit ihnen am Montag in der Kapelle vor dem Herrn die Erfahrungen aufarbeiten und Gott vor Bewahrung vor Schlimmerem danken. Danach gabs dann einfach Kaffee und pappsüsse Torte.
Es war eine Stunde des Aufatmens und der Pause und auch des Lachens.
 
Ich danke Euch nochmals für alle Unterstützung , alles Gebet und alles Mitsorgen.
Mit liebem Gruß und Segensgruß
Eure Sr. M.Christina

 

© 2010 - Förderverein Schwester Christina
JTEUNOV1510 LCSD