Start Weihnachtsgrüße Dezember 2009

Weihnachtsgrüße von Schwester Christina

 

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Es weihnachtet anders hier....

 

 
„Bist DU es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten? „(aus Lukas)
 
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,
Grüß Gott so kurz vor Weihnachten,

wir haben uns über diesen Satz oben ausgetauscht. Und wir haben uns gefragt, was die Menschen um uns herum, die so im Elend sind, denn erwarten an Weihnachten? Oder ist ihre Erwartung erstorben im Frieren dieses nassen Winters  ohne Wärme, ohne Heilung für die schwer an Grippe erkrankten Kinder, ohne Hoffnung auf Arbeit, ohne die Kinder satt zu kriegen???

Oder sollen wir auf einen anderen Erlöser warten? Können wir in dieser Nacht des Elendes wirklich Weihnachten feiern??

Wir haben uns diese Fragen gestellt angesichts dessen, was wir täglich hier erleben. Und wir haben aufgeblickt zum Herrn in der Eucharistie und mit vollem Glauben gesagt: wir müssen täglich durch unser Dasein bezeugen, dass die Erwartungen des HERRN, dass das Warten auf das Christkind nicht umsonst ist.

Und so gehen wir mit den Kindern den Weg nach Betlehem mit Weggeschichten und sie warten wirklich mit freudiger Spannung auf das Kind in der Krippe. Sie haben ihre Herzen mit kleinen guten Werken bereitet und das Zeichen ist ein Strohhalm für das Bettchen des Jesuskindes. Und unser Abraham hat heute der Maria auf dem Weg nach Betlehem übers Haar gestreichelt.... Kleine Lichtlein in den Herzen unserer frierenden und hungernden Kinder auf Weihnachten hin...

Und ich gebe zu: manchmal blicke ich hinauf zum Himmel und möchte die Welt zusammenschreien und glaube dann doch tief im Herzen, dass dennoch das Gloria der Heiligsten Nacht von damals nie erlischt, solang es Menschen gibt, die ihr Herz nicht verhärtet haben, solange es auch Euch gibt, die Hilfe geben, die sammeln, die spenden, die beten und uns hier nicht alleine lassen.  DANKE.

Und dann lege ich der Muttergottes all unsere  Sorgen-Kinder mit in die Krippe zum Göttlichen Kind:

Da ist die kleine Besiana, die der Krebs zernagt, aber die in ihrer letzten Lebensphase noch sehnlichst die Aufführung des  Weihnachtsspiels erwartet, wo sie an der Krippe mit Rita „Stille Nacht“ singen wird. Ihr Stimmchen ist schon schwach, aber sie singt so gerne. Heute hat die Diela ihr ein kleines Engelkleidchen genäht, dass sie sich so wünscht für das Lied der Heiligen Nacht.  Und ich habe den Eindruck, dies wird ihr Kleidchen für den Himmel sein. Und ich danke jenen, die dafür Sorge trugen, dass wir für Besiana für ihre letzten Tagen mit starken Schmerzmitten eine gute Schmerzlinderung erreichen durften.

Da sind  die Klementine und die Romafrau mit dem Haufen Kinder , die heute um Holz bei uns bettelten, weil sie fast erfrieren. Und einen Ofen haben sie auch nicht und die Gjyste, die nichts mehr zum Essen hat für ihre Drei. Und da ist der kleine Zweijährige Leonaldo, der der Oma im zweiten Stock aus dem Arm fiel und mit schwerem Schädelbruch unbehandelt nach Hause geschickt wurde. Da ist die verrückte Maria, die irgendwie auch bei uns gelandet ist und von mir eine Unterschrift will, dass sie beim Heiligen Antonius in Lac übernachten darf...bis Weihnachten vorüber ist.  Sie ist mit Pusteln übersät und zeigt mir zwei dreckige Spritzen mit Insulin , das sie sich täglich spitzen muss  - natürlich unsteril...Ich versichere ihr, dass der Heilige Antonius gar nichts gegen sie hat...Maria kommt , als ich gerade unsere Krippe hier im Gang aufbauen möchte. Sei schreit dabei jedes Wort so laut raus, dass die Mitarbeiter erschreckt zusammenlaufen. Ich winke ab und denke: „Tja, unsere MARIA - und mein Betlehem  gerade im Entstehen“ und empfehle sie der Gottesmutter und versichere ihr nochmal, dass der Heilige Antonius wirklich nichts gegen sie hat und sie am 5. Januar von uns in die Klinik nach Tirana begleitet wird wegen der Augen.

Draußen regnet es derweil in Strömen und Dushe, die Roma steht patschnass da und bittet um Hilfe. Ihre Wohnung steht total unter Wasser, besser gesagt ihr eh` schon elendes Wohnloch ist nun auch noch durch Wasser, das zur Tür rein läuft eher in einen See verwandelt. Und die Kinder schlafen auf dem Boden..Sie bittet um Zement, um die Schwelle zu erhöhen und ein paar Decken..Holz hat sie auch keines - ein Holzscheit pro Tag wenigstens meint sie...

Ich kämpfe wieder mal mit den Tränen und weiß dann einfach, dass ich ihr den Zement und das Holz zahlen muss. Ich rechne kurz: „Heute die fünfte Familie um 10:00 Uhr, die Holz dringendst braucht“ und denke: „wir können sie ja nicht erfrieren lassen; der HERR wird schon sorgen.“  Dem Kind gebe ich eine Banane und die Kleine stopft diese rein und es ist klar, dass sie lange nichts zu essen hatte - zu lange für ein Kind mit fünf Jahren.
Und ich denke: „ob Josef Holz hatte, um Maria ein Feuer zu machen??“... ein Scheit für einen Tag...

Es ist jetzt Abend und unser eher magerer Tannenbaum draußen hat ein paar Lichter und wenn wir Strom haben, dann sagt der Abraham, wie so viele Kinder auf der Welt: „Guck mal, der Christbaum und so viiiiele Lichter“ und er strahlt, wie so viele Kinder auf der Welt, wenn sie Lichterbäume  sehen. Und es ist mir egal, ob er mickrig ist - unser Christbäumchen da draußen. 

Und in einer Woche dürfen wir eben Weihnachten feiern - vielleicht wir hier anders als drüben im Nord-Westen - aber wir feiern dasselbe:
Die Geburt unseres Erlösers,  die Menschwerdung GOTTES. Und mir kommt mehr denn je der Satz:
Machs wie GOTT, werde MENSCH.
 
So wünsche ich Euch allen mit einem Herzen voller Dank an GOTT und Euch
 
Gesegnete Weihnachten und ein gutes und von GOTT geführtes und beschütztes Neues Jahr.
 
Eure Sr. Maria Christina
 

 

Unser Weihnachtsbaum im Garten

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