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7Der Pelzmantel

 

 


Da hängt an der Kleiderstange in unserem Hilfsgüterlager im Speicher ein schwarzer echter Pelz – schon seit Wochen. Wir fragten uns, an wen wir den wohl verschenken können, da es ja etwas nicht Alltägliches ist, hier mit einem Pelz rumzurennen. Nun, heute hat der Pelzmantel eine würdige Trägerin gefunden. Frierend und mit kaltem, dunkelblau angelaufenem Bein ist unsere Romafrau hier. Sie ist schwer krank und wir können nur immer wieder staunen, dass sie überhaupt noch auf dieser Welt ist. Ihr ganzer Körper ist übersät von schwerem Ausschlag. Und sie friert und fragt nach einem warmen Mantel. Und ich denke an den schwarzen Pelz und renne fast die Wendeltreppe hoch. Da hängt er und ein bisschen feierlich nehme ich das Stück vom Kleiderhaken. Dann schlüpft sie rein und er passt wie angegossen. Sie strahlt und guckt und glaubt noch nicht, dass der warme Mantel ihr gehören soll. Dann packt sie noch ihre Medikamente ein und küsst uns die Hände. Sie ist eine total tapfere Frau, die unglaublich viel aushält. Ich habe sie noch nie jammern gehört.

 

7 dezember 2017