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4Daheim in Albanien

 

 

 

Ich war in Deutschland. Heute ist Barbaratag. Ein paar Kirschzweige habe ich mitgebracht und in die Vase gestellt. Die Blüten werden von mir jedes Jahr fast kindlich erwartet. Und da steht schon ein Patient, dem es sehr schlecht geht. Er ist auch wieder „daheim“ – aus Deutschland zurückgeschickt. Er hat Krebs im Endstadium mit Trachealkanüle und Magensonde. Nahrung hat er keine mehr seit zwei Tagen.


Die Speiseröhre ist vom Krebs zugewuchert, er kann nicht mal mehr den Speichel schlucken. Die Schmerzen im Gesicht sind furchtbar. Wir tun, was wir können, um seine Schmerzen zu lindern. Das alte Schmerzpflaster von Deutschland klebt noch verloddert auf seinem Rücken, die Wirkung ist längst dahin. Er hat einen eitrigen Mundgeruch und ist nur noch Haut und Knochen. In seiner Brust brodelt es; er keucht.


Der arme Mann lebt allein und ich frage mich, wie lange das noch so geht. Er guckt mich an, lächelt und pfeift aus seiner Trachealkanüle ein „DANKE“ auf Deutsch und küsst mir die Hand.


Und ich weiss in diesen Momenten, wo ich daheim bin. Und dieser kranke Mann darf an Weihnachten nicht alleine sein.

 

4 dezember 2017