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Neues Jahr

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat gerade wird das Jahr 2017 eine Woche alt. Ich möchte Euch grüssen und ein ganz gutes von Gott gesegnetes 2017 wünschen. Mögen wir alle gewahr sein und werden, was das Geschenk des Lebens jeden Tag in sich birgt.

Und ich möchte euch von dieser Woche des ersten Jahres schreiben. Ich möchte die Woche so überschreiben:

“Die Natur lehrt uns die Demut und auch das Staunen!”

Andersrum könnten und müssten wir sagen, wir haben eine totale Kälte- und Energiekrise.

 
In den Bergen liegt seit einigen Tagen viel, viel weisser Schnee, der zu uns runter leuchtet. Wir sind sehr froh, dass wir die Pakete von den Weihnachtstruckern noch am 30. Dezember mit kleinen Lastern in die Bergdörfer des Dukagjin bringen und verteilen konnten. Die Menschen sind unglaublich dankbar für diese Hilfe. Es ist mehr als ein materielles Geschenk für sie. Wir waren aber auch erleichtert, als unsere Leute wieder unversehrt von dieser Tour zurückgekommen sind. Viele Gebete stiegen an diesen Tagen zum Himmel. Und der Dank der Menschen erreicht uns auch. Nun pfeift der Wind um unser Klösterle, draussen ist es eisig kalt. Noch können wir heizen, da der Stromausfall behoben wurde. Im Saal können wir den Kamin feuern. Heute Nacht haben Wilma, Sonila und Leandro bei uns geschlafen. Es ist so kalt bei ihnen, dass die Fenster innen gefroren sind. So sind wir gerade dabei, Matratzenlager zu bauen. Die Kids haben natürlich ihre Gaudi. Wir schauen da schon besorgter auf die Entwicklung, da im Livade ja mehr Familien sind, die kein Heizmaterial mehr haben. Für den kranken Mann in Dajc hat der Priester gestern Abend noch einen Heizkörper hier abgeholt, damit er über Nacht nicht in seinem Stall erfriert. Der Staat hat den Krisenstab einberufen und die Schulen und Kindergärten sind noch für eine weitere Woche geschlossen. Es gibt an den staatlichen Schulen kein Heizmaterial. Die Kinder hocken sonst in eiskalten Schulräumen. Ebenso wurde ein Aufruf gemacht, dass die Leute in den Häusern bleiben sollen, man bemühe sich um Lösung des Problems. Stromausfälle gibt es massenhaft, Holz bekommt man nur für Wucherpreise, Gas ist zu gefährlich und auch teuer. Wer kann, geht irgendwo in den Wald und plündert das Holz. Gestern hat ein Mann noch im Kanal die trockenen Dornen geholt. Ja, die Lage ist prekär, das Volk leidet. Dazu kommt eine massive schwere Grippewelle, verbunden mit Masern und Windpocken. Die Strassen können nicht geräumt und vom Eis befreit werden, da kein Streusalz, Kies, usw. vorhanden ist.

Wir sind am Vorbereiten, das Kinderhaus für Mütter mit Kindern zu öffnen, um ein wenig Wärme zu bekommen, auch dort zu schlafen. Die Männer müssen sowieso in den Häusern bleiben, die Tiere versorgen und vor Plünderung zu schützen.

Wieder mal erleben wir, dass keinerlei minimalste Präventivmassnahmen für einen harten Winter getroffen wurden. Und da ist der Himmel gerade stahlblau und die Wintersonne scheint und Väterchen Frost tut nur sein Bestes für die Natur. Wir haben kein Recht zur Klage. Wir müssen bessere Antwort geben, so denke ich. Vielleicht ist “Demut” angesagt, denke ich weiter für mich. Und zwar global in unseren Herzen- vielleicht in diesem Jahr? Vielleicht gelingt es uns ja. So denke ich und so wage ich zu denken und Euch halt nun auch zu schreiben. Der weisse Schnee da oben ist der Wink. Und da ist Preka, der kranke Mann aus den Bergen. Nach einer Infektionskrankheit mit Brucellen hat er einen schweren Herzschaden erlitten und vor ca. vier Wochen eine schwere Herzoperation mit Hilfe vieler Schutzengel überstanden. Nun ist er in Shkoder, noch nicht zurück in seine Berge. Gestern kam er hierher. Ich bin tief berührt von diesem Mann. Nach der Versorgung der OP-Wunde ging ich mit ihm in die Kapelle. Ich gab ihm das Jesuskind. Mit reinem kindlichem Blick schaute er es an und küsste es. Ich liess ihn alleine mit dem göttlichen Kind. Dann beteten wir und er weinte und dankte seinem Gott. Preka ist gezeichnet, schwer gezeichnet. Aber er ist dankbar und sein Blick ist hell und klar und ich habe den Eindruck, seine Seele ist weiss wie der Schnee da oben. Er sehnt sich nach seiner Familie im Dukagjin. Nun muss er an Gewicht zulegen, er ist abgemagert bis auf die Knochen. Wir gaben ihm Nahrungsmittel mit. Aber das Heimweh nagt etwas an ihm.

Was er noch nicht weiss: seine Frau und sein jüngster Sohn mit 10 Jahren sind am Mittwoch auf dem Weg in den Dukagjin verunglückt. Sie haben im Tal hier den Vater besucht und auf dem Weg heim hat es viel geschneit. Dem Fahrer ist eine Schneelawine von einem Baum auf die Windschutzscheibe und er stürzte ab. Dreimal hat sich das Auto überschlagen. Sie schlugen die Fenster ein und konnten sich retten. Die Frau von Preka hat sich wohl das Fussgelenk verdreht. Sie ist aber zu Hause, da sie ja die Tiere versorgen muss. Der Kleine ist voll traumatisiert, der Fahrer mit mittelschweren Verletzungen im Krankenhaus. Das Auto ist völlig demoliert, aber sie haben überlebt. Violca wird es heute ihrem Mann am Telefon sagen, was passiert ist, denn ich spürte, wie sich Preka um seine Familie sorgt. Er ahnt sicher etwas. Und ich warte auf den Tag, wo wir ihn in den Dukagjin bringen dürfen, zurück zu seiner Familie, zu seinen Bergen und zu seiner Herde.

Ich möchte noch DANK sagen für jedes Weihnachtspaket, für jede Hilfe, jeden guten Gedanken, für jedes Gebet für uns und unsere Armen in den letzten Wochen. Gott sei mit Euch.

So warten wir auf eine weitere eiskalte Nacht und wissen, dass unter den Sternen nichts geschieht, was GOTT nicht sieht.

mit herzlichem Gruss und Dank
Eure Sr. Christina

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