Demo

Rabe Socke  grüsst aus Albanien

Mit ein paar Impressionen von unserer gestrigen Theateraufführung mit den Kleinsten grüssen wir Euch alle herzlich.

Rabe Socke hat sich mächtig ins Zeug gelegt und die Kids haben wieder mal gezeigt, was sie drauf haben – trotz Armut, wenig zum Essen  und  vieler elementarer  Probleme. Freude am Ausdruck und grosse Lebendigkeit sind wieder einmal voll zu ihrem Recht gekommen.  Die Zuschauer waren auch begeistert, und der Himmel hat uns bestes Wetter gegeben.

Und nun ein paar Bilder:

 

der rabenchor

Da kommt der ganze Rabenchor

 

das grosse festmahl

Das große Festmahl

 

doktor wolf 

Doktor Wolf wird gebraucht

 

rabe socke radl 

Rabe Socke haut mit dem Radl ab.

 

applaus 

Sie haben sich den Applaus verdient

 

die allerkleinsten 

Und die Allerkleinsten tanzen keck

 

rabe socke wohnt 

Wo der Rabe Socke wohnt

 

Liebe Mütter

Wir Schwestern der Spirituellen Weggemeinschaft gratulieren Euch herzlich zum Muttertag. Ihr habt eine wunderbare und wichtige Berufung von Gott, die ich nicht wirklich beschreiben kann, weil sie so gross ist und gleichzeitig so menschlich. Wir senden Euch an diesem Tag unsere Gebete und bitten unsere himmlische Mutter Maria um ihren Segen für Euch.

Und wir schicken Euch eine Rose aus Kinderhand.

Eure Schwestern der Spirituellen Weggemeinschaft

 

rose

Wenn die Rose die Raupe aushalten muss


Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde


Ja, das Aushalten das war es, was wir in den letzten Wochen wieder intensiv geübt haben. Es ist nicht dieses: „Wie halten Sie dies nur aus hier?“ Es ist was anderes: vielleicht schreibe ich gleich, was da so gerade bei uns ist und wie wir uns im Aushalten aushalten. Aber erstmal:


Grüss Gott am Sonntag mit vielen Rosengrüssen aus unserem Garten. Ja, da blühen fast wie tausend Rosen, von denen ich jeden Tag Tausende von Läusen wegklaube. Es liegt Pfingstgeist in der Luft und das Leben möchte sich den Weg bahnen. In den vom Hochwasser gefluteten Wiesen wächst das Gras und deckt grünend den Klärschlamm zu. Die Bewohner richten ihre vergifteten Brunnen und pflanzen in den Gärten  - der Katastrophe trotzend – verspätet  ihre Kräuter an. Ja, das Leben möchte durchbrechen und wir sind dankbar, dass die Flut einigermassen bewältigt ist. Derweil geht  gerade in dieser Stunde die „Aktion Gabriela“ ihrem – so Gott will – glücklichen Ende zu. Die kleine Gabriela ist vor drei Wochen mit einem schweren Herzfehler geboren, der hier nicht behandelt werden kann, aber schnell operiert werden muss, wenn die Kleine eine Überlebenschance haben soll. Da standen dann vor zwei Wochen drei Männer in unserem Klostergang und verlangten dringend nach einem Gespräch. Dann die Geschichte: Das zweite Kind; das erste ist vor zwei Jahren durch eine Schlamperei der Ärzte am 4. Lebenstag  gestorben; die Mutter hat damals knapp überlebt. Nun die Kleine, auf die auch der Tod wartet. Die Männer, besonders der Opa, werde geschüttelt. Sie kamen von einer Organisation, die ihnen die Ausreise für ihre Kleine zugesagt hat, aber dann, beim zweiten Gespräch verlief es wie folgt: „Der Opa und der Onkel wurden gefragt, wie viel ihnen denn die Kleine wert sei, da der Vater ja schon pleite ist (noch vom ersten Kind her), wären sie jetzt dran. Der Opa sagte, er könne nur noch eine Kuh verkaufen, mehr habe er nicht mehr. Darauf der Gegenüber: „Sie haben noch ein Haus, bringen sie den Notar gleich mit!“  Beim Erzählen schluchzte der Grossvater aus Verzweiflung und dem Gefühl der völligen Verdemütigung. Ich konnte nichts, als nur Zuhören, wenigstens mein Mitgefühl zeigen und  - mit Aushalten. Wenigstens versprach ich ihnen, ins Krankenhaus zu kommen und die verzweifelte Mutter zu besuchen. Dann wusste ich nichts anderes, als ein paar Freunde per Internet um das Gebet für die Kleine zu bitten. An etwas Weiteres wagte ich nicht mal zu denken. Ich sagte nur zu Gott, dass das Leben hier doch siegen könnte. In der Tiefe konnte ich so etwas spüren wie: „Die Kleine muss leben!“


Dann am nächsten Tag sah ich das erste Wunder: Ein wunderbarer Mensch schrieb, wir sollen eine Klinik für Gabriela suchen, das Geld komme dann von ihm. Ich zitterte am ganzen Körper und las mindestens dreimal. Dann brüllte ich fast nach Sr. Michaela und zeigte ihr das Email. Und so begann die Geschichte der Rettung. Viele, viele halfen mit, wir schrieben etliche Kliniken an, der Transport der Patientin war irgendwann das grössere Problem, viele, viele Telefonate, Emails, Gespräche mit dem Krankenhaus usw. Zwischendurch war es dramatisch und wir wussten nicht, ob Gabriela es durchhält.


Und nun ist sie genau um diese Zeit, in der ich den Rundbrief schreibe, mit Luise und ihrer Mama im Rettungsflieger nach Deutschland. Wie viele in diesen zwei Wochen uns schon geholfen haben, das ist das Wunder der Liebe, das es noch gibt. Ich danke einem jeden von Herzen und kann nur sagen: „Gott vergelte es!“ Und wir hoffen und beten, dass nun alles gut gehen darf und Gabriela genesen kann. Luise, unsere wunderbare Praktikantin ist als Begleitperson mit dabei, damit die Mutter sich besser zurecht findet und eine Übersetzerin hat.


Und während das junge Leben leben möchte, wurden wir in diesen Tagen öfters ans Sterbebett gerufen. Da kommt eine Mutter von 8 Kindern. Sie bittet uns, zu kommen, da es ihrem Mann Ded schlecht gehe und er furchtbare Schmerzen habe. Ich spüre, dass ich sofort fahren muss. Lukas, der schon zur Klosterfamilie gehört, kommt mit. Das kleine armselige Häuschen liegt abseits der grossen Welt. Als wir eintreten, kommt uns ein süss-fauliger Geruch entgegen und ich bin froh, dass ich noch nicht viel im Magen habe. Ded liegt eher auf einer alten Pritsche, als auf einem Bett und hat pfeifende Atemgeräusche und  bei jedem Atemzug „spurzt“ er aus einem Katheter, der in der Lunge liegt, Blut und stinkenden Eiter. Sein ganzes Bettgewand ist durchweicht. Ded schaut mich mit hohlen Augen an und er hat unsägliche Schmerzen. Ich lege meine Hand auf seine schweissige Stirn und schlucke. Armseliger geht es nicht mehr. In der Ecke auf dem windigen Sofa kauert ein kleiner Junge. Anton ist zwölf Jahre alt und der Jüngste der acht Geschwister. Mit feinem kindlichem Gespür erahnt er den Tod im Hause, obwohl keiner mit ihm darüber gesprochen hat. Ich hole Anton zum Vater und sage ihm das, was er sowieso schon weiss.

 

Dann segnet und küsst er seinen Vater. Seine zwei, etwas älteren Schwestern, kommen auch und verabschieden sich so. Dann entscheide ich, Ded noch zu verbinden, damit er nicht in dieser Siffe liegen muss. Lukas macht mir tapfer die Handreichungen und Ded drückt schon sehr schwach meine Hand. Wir beten mit ihm. Ich sage ihm, dass er weitergehen soll zu Gott und er wird ganz ruhig und gelöst. Dann trinkt er viel Wasser; er ist heiss vor Durst. Wie hat ihm wohl danach verlangt, bevor er an der ewigen Quelle ist. Und  wir gehen und Ded darf dann in der Nacht zu den Wassern des Lebens gehen. Ein letzter Dienst, ein letztes Aushalten in den letzten Stunden des Lebens.

 

Und da ist derzeit noch  unsere Lisa, die wir sehr ins Herz geschlossen haben. Sie ist 84 Jahre alt. Lisa kommt mit einem halben Gesicht zu uns. Sie hat sich derart stark verbrannt, dass diese Gesichtshälfte nur noch ein unförmiges, eitrig-blutiges etwas ist. Das Auge ist völlig zugeschwollen, das Ohr auch. Im Krankenhaus wurde sie mit einem Rezept für eine Salbe wieder nach Hause geschickt. Ihr Kreislauf ist schlecht, sie ist völlig fertig und auch durcheinander und hilflos. Wir legen sie erstmal nieder und ich versuche, Kontakt mit ihr zu bekommen. Sie spürt dann unsere Sorge und gewinnt Vertrauen. Dann säubern wir die Wunde und wir müssen die Haare schneiden. Und wir erfahren, dass sie praktisch verarmt ist, ihre Rente nicht bekommen hat, nichts zu essen hat. Irgendwie zeigt Lisa dann einen sehr trockenen Humor und sagt, dass sie lange Schauspielerin beim Theater in Shkoder war und sie lacht. Dann bitte ich sie zu warten und schneide ihr eine Rose aus dem Garten. Sie freut sich so und riecht und riecht und dann sage ich ihr eben nach Exupery: „Lisa, da steht: Wer die Schmetterlinge sehen will, muss ein paar Raupen aushalten!“ Und so ist aus Lisa unsere „Rosen-Lisa“ geworden, denn fast immer, wenn sie zum Verbandwechsel kommt, nimmt sie eine Rose aus unserem Garten mit. Wir haben sie lieb gewonnen und wir hoffen, dass sie doch noch heilen darf.


Und eben erfahren wir, dass unsere kleine Gabriela heute Nachmittag noch operiert wird. Es ist Montag-Nachmittag. Möge die Maienkönigin, deren Monat wir morgen beginnen, die Kleine unter ihren Schutzmantel nehmen.


Und wir bitten um Euer Gebet und ich danke für alles, was Ihr so mit uns aushaltet, wie Ihr Euch einsetzt und uns jeden Tag  hier mit viel Kreativität und Wohlwollen unterstützt.

 

Gott segne Euch dafür. Mit herzlichem Gruss
Sr. Christina

 

gabriela

 

Und eben erfahren wir, dass Gabriela die Operation gut überstanden hat. DANK SEI GOTT!

Kurzreport über Hochwasserlage
 

Liebe Freunde,

grüss Gott. Wir dürfen Gott sei Dank eine Entwarnung geben. Es hat nur noch ein wenig geregnet und von den Stauseen wird nur noch wenig Wasser abgelassen.

Die Bewohner atmen auf, aber sind noch in “Wachstellung”.Die Möbel bleiben nach wie vor hoch gestellt und das Wasser ist etwas gesunken, aber lange nicht weg. Und wir hoffen,dass die Temperaturen nicht so steigen, dass der  gefallene Schnee oben in den Bergen auf einmal schmilzt.

Wir sind aus der Akutphase nun in die zweite Phase eingetreten: Das heisst, die Menschen können nach wie vor nicht aus den Brunnen trinken, im Livade stinkt es diesmal fürchterlich nach Kloake und toten Fischen. Die Häuser sind in kurzer Zeit verschimmelt und es sieht sehr trist aus. Praktisch ist alles mit Klärschlamm überzogen. Nun braucht es langen Atem, bis alles gesäubert werden kann, der Müll abtransportiert ist und die Gärten angepflanzt werden können. So gehen wir Ostern entgegen; es wird durch den Schlamm hindurch ein Pflänzchen wachsen, ein Blümchen blühen und uns zeigen, dass ER lebt.

Wir sind unendlich dankbar, dass die schlimmste befürchtete Flut abgewendet wurde von einem Gott, der gut ist. Wir brauchen nun langen Atem.

Euch allen danken wir für das Mitsein und alles Gebet und alle Hilfe.  

Frohe Ostern

Sr. Christina

Schneefestival

Liebe Freunde in der Heimat

grüss Gott. Sage und schreibe nach mehr als fünf Jahren haben wir Schnee, sogar viel. Die Osterglocken blühen schon und über Nacht hat sich eine weisse reine Schneedecke ausgebreitet.
Mir klopft glatt das Herz höher, denn ich gebe zu, den Schnee vermisse ich jedes Jahr hier in der Ebene. Und nun diese Fülle. Und unsere Kinder, die sind natürlich in heller Freude raus in die Winterlandschaft. Und dann dazu noch zwei Tage schulfrei, da die Strassen hier nicht geräumt werden können, wie es sein müsste. Schwester Michaela, die noch tapfer unterwegs war, erzählte, dass auf einem Pickup zwei Männer das gelbe Salz mit den Händen auf die Strasse gestreut haben. Bei uns wurden derweil Schneemänner und Schneeburgen gebaut. Ich schicke Euch ein paar Fotos von unseren “Schneehaserln”. Und derweil verteilen wir einmal mehr Holzrationen.

mit herzlichem Frühlings-Wintergruss

Eure Sr.Christina mit dem gesamten Schneeklösterli

 

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Spätsommertage

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde in der Heimat,


grüss Gott für ein paar Nachrichten aus unserem Klösterle. Es ist Sonntagnachmittag und schwül-heiss. Ein paar Regentropfen haben sind wie verloren aus den Wolken gepurzelt und der Sommer hat uns mit der Wassernot noch nicht losgelassen. Aber ein paarmal hat es ordentlich geregnet, wenn auch die Stauseen und Flüsse noch ungeheuer niedrigen Wasserstand haben. In Kukes kam nach vielen, vielen Jahren das alte Dorf aus dem Stausee zum Vorschein.


Ich hoffe, Ihr alle hattet auch einen erholsamen Urlaub und einen guten Sommer. Wir sind seit zwei Wochen aus unserem Urlaub zurück und sind dankbar über die schönen guten Ferientage, die wir haben durften. Nun sind wir wieder daheim und Abri hat die fünfte Klasse begonnen. Antonio hat seine Schultüte mit Wachsmalkreiden und einem Bauklötzezug mehr oder weniger bewundert. Er ist ja schliesslich sechs Jahre alt. Schon wieder könnten wir über diese Tage einige Bücher schreiben, denn jeden Tag ist viel und die Menschen haben schwere Schicksale. Der Sommer war nicht leicht für die meisten; die Hitze hat viel vertrocknen lassen. Und drüben in Terabosh ist der gesamte Hang abgebrannt. Wir gucken vom Fenster auf eine schwarze Hangwand. Und ich gebe zu, ich gucke jeden Tag, ob sich nicht schon ein wenig Grün zeigt, mehr noch, seit es geregnet hat. Ich bin sehr froh, dass wir genug Brunnenwasser für unseren Garten hatten und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann ist lebendiges grün eine Augenweide für mich. Welch ein Unterschied zur anderen Fensterseite, wo die Natur um das Leben kämpft! Ja, und auch die Menschen kämpfen ums Leben und ums Überleben. Es geht vielen, vielen hier wirklich schlecht. Die letzte Woche haben Schwester Michaela und Irena einen Marathon hingelegt. Wir haben Schulmaterial verteilt und Schulbücher bezahlt. Schulbücher sind so immens teuer, dass sich diese in unserem Wohnviertel eigentlich niemand mehr leisten kann. Es war vor unserem Tor jeden Tag ein Andrang, der uns die grössere Not gespiegelt hat. Mir ist nur eingefallen, was in der Schrift steht: „Und ER hatte Mitleid mit ihnen“.


Schwester Michaela und Irena haben da viel, viel Geduld gebraucht, um dies alles zu bewältigen. Zwischendurch mussten wir dann auch sehr nervöse Mütter beschwichtigen oder massiv eine Grenze setzen, bevor die Gemüter sich total erhitzten. Jeder will halt alles und zuerst drankommen und dann geht die Botschaft durch die halbe Bergwelt des Dukagjin, dass es bei den Schwestern Bücherhilfe gibt. So rief mich Sr. Michaela dann, dass jemand draussen im Garten ausrastet. Ich dachte kurz an eine Schiesserei und bevor ich rausging, nahm ich noch das Weihwasser in der Kapelle und bat um Schutz. Da lag eine Frau im Garten und schrie einfach fürchterlich. Sie liess sich nicht ansprechen und verdrehte ein Auge und schlug um sich. Um sie rum war die helle Aufregung; eine Frau rief nach einer Rakiflasche, die andere wollte einen Kübel Wasser über die so total ausgerastete Frau schütten. Schnell war mir klar, dass diese Frau nicht in lebensgefährlicher Situation war. Und schnell befahl ich ihr aufzustehen und segnete sie laut. Und sie stand auf und guckte mich leer an. Ich brachte sie ins Haus und merkte dann, dass ich in die Hundekacke gekniet war. Ich grinste mich selbst an: Kacke – so fühlt sich vielleicht diese Frau in ihrem Leben… Nun, sie bekam ihr Büchergeld und ihr Schulmaterial und mir war klar, dass sie Hilfe braucht. Seit vier Jahren habe sie diese Anfälle, meinte sie. Vor dem Tor schrie eine andere Frau ziemlich aggressiv, dass sie schliesslich sechs Kinder habe und sie fing an, uns zu beschimpfen, weil wir ihr nichts geben und so weiter. Die Not lässt manchmal auch der Wut freien Lauf. Wir können damit inzwischen auch ganz gut umgehen und ich bin dann raus. Die Stimmung war schnell ziemlich aufgeheizt und es war notwendig, zu deeskalieren. Es war uns klar, dass es eben nicht für alle reicht, was wir an Büchergelder übers Jahr gesammelt haben. Und irgendwann ist die Grenze des Machbaren erreicht. Ich ging zu den Bettelnden raus und erklärte ihnen ruhig, dass es vermutlich nicht mehr für alle reicht; ich bat um Verständnis. Dann wagte ich einen weiteren Schritt und bat, dass jene, die einander kennen doch den Bedürftigsten unter ihnen benennen, damit wir eben den Ärmsten unter ihnen zuerst geben, solange wir noch haben. Zuerst war fast Totenstille, als hätte ich etwas Ungeheuerliches gesagt. Auch mir stockte fast der Atem über meinen Vorstoss und Appell in einer Situation, wo jeder seine Kinder in die Schule schicken möchte und weiss, dass sie ohne Bücher nicht dorthin können. Dann löste sich eine Frau aus dieser komischen Starre, sie trat zwei Schritte zurück und zerrte eine junge Mutter heran und sagte: „Schwester, diese Frau hat vier Kinder, ihr Mann trinkt und sie hat noch kranke Schwiegereltern daheim. Sie braucht dringend das Büchergeld!“ Dann kam eine weitere ältere Frau; sie brachte ihre Nachbarin, der es schlechter geht als ihr selbst, wie sie sagte. Irgendwie ging es dann so, dass Schwester Michaela für alle noch einen Teil der Bücher bezahlen konnte. Das Teilungswunder ist geschehen. Und ich danke Gott aus ganzem Herzen, dass die Menschen in dieser Stunde glücklich waren. Dann ist über Nacht Antonio krank geworden; wir hoffen, dass er keine Lungenentzündung hat. Trotzdem er schwach ist, lacht er und ist einfach ein Schatz. Auch die anderen Patienten stehen wieder Schlange und warten auf Hilfe. Da kam am Freitag ein achtjähriges Mädchen mit einem dicken Knoten am Daumenballen. Es sah nicht so gut aus. Nun haben sie eben in Tirana einen Tumor festgestellt und wissen nicht, ob sie durch die Operation den Daumen noch retten können. Im Krankenhaus in Shkoder wurde ihnen gesagt, die Kleine hätte sich vielleicht einen Span reingezogen und das würde schon von selbst heilen. Der Vater war dort, als der Knoten noch viel kleiner war. Wir hoffen, dass mit Hilfe unserer Begleitung die Ärzte alles tun, was möglich ist und nicht unbedingt Horrorpreise verlangen.


Im Kinderhaus wuselt es wieder von Kindergartenkindern. Es sind über 80 Kinder und wir mussten dann mit Anmeldungen stoppen. Mehr Kids sind einfach nicht mehr möglich. Vor einigen Tagen kam noch ein grosser Schlitten aus der Stadt angefahren und der Vater bot alles Geld, damit wir seinen Sohn bei uns aufnehmen. Wir mussten ihm sagen, dass dieser Kindergarten für jene Kinder aus unserer Zone ist, die nicht bezahlen können und wir sowieso keinen Platz mehr haben. Wir werden heuer die Elternarbeit intensivieren und können einige behinderte Kinder mehr aufnehmen. Und Schwester Laetitia wird einige hörgeschädigte Kinder in die Vorschulklasse integrieren. Eine Sorge sind mir die Jugendlichen hier im Livadhe. Viele sind total frustriert und in Gefahr zu kriminalisieren oder in der Drogenszene zu landen. Einige sind aus dem Ausland zurückgeschickt und noch ein Stück mehr enttäuscht und perspektivlos. Für diese fällt auch ein Schulabschluss flach. Dies betrifft vor allem die Jungs. Diese Entwicklung können wir im Moment nicht stoppen, wir sind derzeit eher hilflos. Das Gefühl der Sinnlosigkeit der Jugendlichen ist immens und immer noch hauen Jungs, auch aus unserem Viertel, mit Hilfe von Schleppern ins Ausland ab. Sie verkommen dann irgendwo in einer Parallelgesellschaft in grossen Städten wie Berlin oder Hamburg. Und wenn sie dann irgend-wann aufgegriffen werden, kommen sie völlig daneben zurück. Was sie dort erlebt haben, das ist in ihnen vergraben, ob sie es jemals verkraften, das ist eine andere Frage. In den letzten Monaten werden hier wieder öfters Flüchtlinge aus Afrika aufgegriffen. Die Schlepper haben wieder vermehrt die Route über Albanien genommen. So gehen wir nun der kälteren Jahres-zeit entgegen und wir haben schon Holz gekauft. Sokol sägt es auf und wir haben Wintervorrat für etliche Familien. Aber es wird nicht reichen. Die Verteuerung von Strom ist bereits angekündigt, ebenso Hochwasser für den November.


Wir trauen da dann lieber unserem treuen Gott, der zur rechten Zeit das SEINE tut. Und wir versuchen, jeden Tag zu nehmen, wie er uns geschenkt ist und sind dankbar für das Leben und dass wir hier sein dürfen und so viel Unterstützung von Euch daheim bekommen. Nun noch eine Anekdote von Abraham. Er beschäftigt sich gerade mit Gut und Böse und mit Gott und der Welt. Und da hat er eine wichtige Frage und die ist so: „Mam, der liebe Gott und der Teufel treffen die sich manchmal für Konfliktlösung und für Versöhnung untereinander?“ Ich bin wieder mal sprachlos. Abrahams Innenwelt! Und wir mittendrin und es ist gut so. Wir grüssen Euch alle mit den besten Segenswünschen aus unserem Klösterle in Dobrac


Eure Sr. Christina

 

spaetsommertage

„Münsterlauf“ startet wieder in den Abendstunden für einen guten Zweck

Nach den durchwegs positiven Erfahrungen der vergangenen  Jahre, als der traditionelle Münsterlauf  als „Lauf in den Abend“ gestartet wurde,  wird es auch heuer eine Wiederholung  dieses Events geben.

So besteht von 19.00 - 21.00 Uhr sowohl für Einzelstarter als auch für Mannschaften die Möglichkeit, die mehr als einen Kilometer lange Strecke zu absolvieren. Sie führt vom Münster über die Reichstraße und das Ried durch den mit Kerzenlicht geschmückten Hl.-Kreuz-Garten zurück zur Kirche.

Den Startschuss gibt Stadtpfarrer Neuner zusammen mit OB Armin Neudert am Freitag, den 22.09.2017, 19.00 Uhr, am Liebfrauenmünster.

Auch in diesem Jahr wird der Lauf mit Start und Ziel am Münster vom Förderverein, der die Arbeit von Sr. Christina in Albanien unterstützt, organisiert.

Neben den  Einzelstartern (Läufer, Walker, Spaziergänger), die selbst festlegen, wie lange und in welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind, können auch Mannschaften an den Start gehen.

Wer die meisten Runden allein oder als Team schafft, wird mit einem Pokal geehrt.

An „Start und Ziel“ am Münster gibt es für alle Teilnehmer Getränke sowie eine kleine Stärkung in Form von Obst und Wurstsemmeln.

Mit den Einnahmen wird  die Arbeit von Sr. Christina in Albanien unterstützt.
 
Nähere Infos zum Lauf sind unter der Tel.-Nr. 0906/8481 abrufbar.

Ferienprogramm im Förderverein

Manchmal ergibt sich was spontan. Das sind die besten Angelegenheiten, heißt es. So auch am 19. August in der Turnhalle Nordheim.

Abraham ist mit seiner Familie (Sr. M. Christina, Sr. M. Michaela, Sr. M. Laetitia und Toni)  zu Besuch in Donauwörth. Schon im letzten Jahr ergab sich ein Treffen mit Klaus und Marianne Berger von den Donauwörther Pandas, die Abraham die Grundzüge des Rollstuhlbasketballs zeigten. Dieses Jahr wollte man dann eine richtige Mannschaft mit Jugendlichen aus der Umgebung zusammen bringen. Und das hat geklappt. 9 Donauwörther Kids hatten den größten Spaß, als Klaus Berger ihnen von der Pike an in kleinen Schritten bzw. Rädern erst den Umgang mit dem Rollstuhl beibrachte und nach und nach den Basketball mit ins Spiel brachte.

Es hat allen so viel Spaß gemacht, dass man sich kaum mal eine Pause gönnte, um einen Schluck zu trinken und sofort wieder in die Turnhalle rollte. So ein Ferienprogramm hatten die Jungs noch nie mitgemacht. Als Abschluss  dann ein richtiges Basketballspiel, das kein Ende nahm – man musste die Kids einschl. dem Trainer mit Müh und Not zum Aufhören überreden.
Für  diesen erlebnisreichen Nachmittag gab‘s dann eine Urkunde für alle Teilnehmer. Rollstuhlführerschein bestanden! Was für eine Freude!

Auch einige der Zuschauer wollten zum Schluss noch die Erfahrung machen, im Rollstuhl durch die Turnhalle zu fahren und versuchten den Ball in den Korb zu bringen.  
Am Rande konnte man sich gemütlich zusammen setzen mit Kaffee und mitgebrachten Kuchen, mit Würstle und Brezen und erfrischenden Getränken. So konnte man am Abend wirklich auf einen tollen Nachmittag zurückschauen, der Alte und Junge, Behinderte und Nichtbehinderte, Johanniter, Pandas und Weihnachtstruckerfahrer, Eltern und  Kinder, Schwestern und Fördervereinsmitglieder zusammenbrachte. Viele bedankten sich beim  Heimgehen mit den Worten „schön war‘s, machen wir das nächstes Jahr wieder?“

Ein paar Dankeschöns müssen noch sein:
den Jugendlichen, die spontan ihr Interesse an einem außergewöhnlichen Sport zeigten und einen Nachmittag lang in den Ferien auf moderne Medien verzichteten;
den Johannitern, die sich hervorragend um die Versorgung kümmerten;

Marianne und Klaus Berger von den Donauwörther Pandas für das Vorbereiten und Umsetzen des Trainingsprogramms, einschl. der Zurverfügungstellung von 13 Rollstühlen;


Dem Sportverein Nordheim für die Bereitstellung der Turnhalle!

Christine Müller

 

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Rundbrief Juli - Ergänzung

Liebe Freunde, grüss Gott.

Wir sind kurz vor dem Ferienstart. Ich kann Euch ein wenig Entwarnung geben. Zwar haben wir wieder schwere Hitze, aber wir hatten eine Nacht Gewitter mit ordentlich Regen. Gott sei Dank sind damit einige Waldbrände gelöscht und die Natur durfte atmen. Einige neue Brandherde sind jedoch wieder entstanden.  

Und am Freitag dann eine Katastrophe in Velipoje, eine halbe Stunde von uns weg am Strand. Dort gab es eine schwere Gasexplosion in einem Strandhotel. Wir bekamen einen Hilferuf von der Brandklinik in Tirana; sie mussten 25 Betten für Brandverletzte  herrichten. Sofort packten wir wieder mal unsere Notfallkiste und schickten Leci in die Klinik nach Tirana. In solchen Momenten kann man dann nur noch beten und warten.  Dann war es wieder mal rätselhaft: dort gab es nur 2 schwerst Verletzte, keiner konnte sich das erklären, auch der Professor dort nicht. Wir vermuteten die Verletzten dann im Regionalspital in Shkoder. Aber dort es hiess, sei einzig eine Patientin. Erstmal waren wir erleichtert über die Meldung. Leci kehrte mit viel Material wieder zurück nach Shkoder. Am Abend um 20.00 Uhr wurde dann die junge Patientin, die in Shkoder im Krankenhaus war, zu uns gebracht: in einem jämmerlichen Zustand war sie seit dem Vormittag unversorgt, einzig mit einer Infusion, die Kanüle steckte noch. Die bildhübsche junge Frau wirkte völlig traumatisiert und sie konnte nur noch schemenhaft weisse Umrisse sehen, sonst nichts mehr. Die rechte Schulter war schwer verbrannt, ebenfalls die Stirne und beide Hände. Sie hatte Probleme beim Schlucken und Atmen und war noch am ganzen Körper schwarz von der Explosion.

Sie hatte in dem Hotel in der Küche gearbeitet, um sich für ihr Studium im kommenden Schuljahr das Geld zu verdienen. Dass ihr  Küchenchef und sein Sohn nun mit dem Leben ringen, das wusste  sie nicht. Wir gaben Schmerzmittel, versorgten sie und riefen sofort in Tirana bei “unserem” Professor an. Ich hatte Sorge wegen der Augen und Lunge und dass sie jeden Moment in einen akuten Zustand geraten könnte. So fuhr der  Fahrer mit Leci, dem Mädchen und deren Mutter ein zweites Mal um 21.00 ab nach Tirana. Inzwischen kamen dann folgende Nachrichten von verschiedenen Leuten zu uns, die in Velipoje in der Badesaison am Strand arbeiten: Es habe mindestens 30 Verletzte gegeben. Einige kosovarische Urlauber, die wirklich schwerer verletzt waren, sind ins Auto und sofort zurück in den Kosovo.  Es hat von dem Hotel, als auch von der näheren Umgebung viele Brand-verletzte gegeben, aber alle sind abgehauen, weil sie dort „schwarz“ arbeiten und die Angst vor eigener Bestrafung oder vor Bestrafung ihrer Chefs sie in die Flucht geschlagen hat. Viele junge Studenten verdienen sich so das Studium und es hat wohl etliche von ihnen erwischt. Die Medien hier schweigen über diese “verschwundenen Patienten”.  Wir können nur hoffen, dass die Verletzten irgendwo Hilfe haben. Am Samstag warteten wir irgendwie den ganzen Tag, dass einige hier auftauchen. Von dem jungen Mädchen wissen wir, dass es leider noch nicht wieder sehen kann, aber die Atmung hat sich stabilisiert. Wir hoffen und beten, dass sie sich erholt. Und so planen wir unsere Reise am Montag zwischen all dem und wissen einmal mehr, was die soziale Sicherheit im Westen bedeutet.

Und eben, Sonntag früh, haben wir einen Anruf bekommen, dass einer der Schwerverletzten heute Nacht gestorben ist und das verletzte Mädchen hat immer noch kein Augenlicht. Wir hoffen auf Besserung und ich suche gerade nach einem zuständigen Heiligen für Erblindete, damit dieser doch Fürsprache einlege und sich kümmere.

Mit herzlichem Gruss und gute gesegnete Tage


Eure Sr. Christina

News aus dem Klösterle:

Wir haben den Geburtstag von Schwester Michaela gefeiert. Hier die Fotos von unserer Gartenparty am Abend noch bei über 30 Grad. Die beiden Jungs haben als Kellner gut aufgewartet und erst mal das Menü verlesen.
Und dann bekommt  unser Hund noch eine feierliche Lehre fürs Leben.


Die “Klosters”

 

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Sommerhitze


Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde und Bekannte,


grüss Gott aus dem brütend heissen Klösterle in Dobrac. Vielleicht sind einige von Euch schon in Urlaub. Da wünschen wir erholsame gute Tage und für die anderen schon mal die Vorfreude aufs Durchatmen.

Derweil stockt uns hier derzeit der Atem von der gleissenden Hitze überm Land. Seit Wochen regnet es nicht und heisser Wind bläst uns den Sand aus der Sahara in die Atemwege. Und unser Blick geht besorgt rundrum in die Hügel, wo Rauch hochsteigt. In der Nacht bin ich heute einige Male an die Fenster gegangen, um mich zu versichern, dass die trockene Wiese des Nachbarn nicht Feuer gefangen hat. Schwester Michael und ich stiegen um 22.00 Uhr noch auf den Dachboden und sahen am Hügelzug das lodernde Feuer. Wir können nur um Regen beten. Der Staat hat gestern Hilfe von der NATO angefordert, um die Brände unter Kontrolle zu bekommen und zu löschen.

Inzwischen sind in Shkoder 15.000 Leute ohne Trinkwasser und das Flussbett der Drini ist so trocken wie nie seit ich in Albanien bin. Nun wird immer stundenweise der Strom abgeschaltet. So werden die Lebensmittel im Kühlschrank und Eisfach dann unbrauchbar, die Gefahr der Salmonellose ist hoch. Aber wir haben noch aus unserem Brunnen Wasser, um die Pflanzen zu giessen. Und nichts desto trotz nutzen unsere Kids noch die Tage, um im Schwimmbecken hinter unserem Haus ihre Freude zu haben. Schwer haben es die Kranken, besonders unsere Patienten mit Verbrennungen. Und da kommen jeden Tag neue bei uns an. Scheinbar macht die Hitze noch unaufmerksamer und müde und dann kippen 7 Liter  heisse Milch über den Körper.

Eben war eine Patientin da mit einer Verbrennung durch einen explodierten Dampfkochtopf. Es ging noch glimpflich für sie ab. Bei  Shpresimi ist das nicht so. Er hat knapp überlebt, da er 70 Prozent verbrannt war. Die Gasfunzel zum Kaffee kochen ist explodiert. Der Arzt hat ihn daheim behandelt, abgezockt und die Angehörigen kamen am vierten Tag völlig am Ende zu uns. Wir gingen sofort zu ihm und fanden den Patienten in komatösem Zustand kurz vor dem Nierenversagen und die verbrannte Haut  hing in Fetzen vom Körper, die Wunden waren schwer infiziert.  Wir richteten ein Auto als  Notfallambulanz ein und karrten ihn nach Tirana. Nach der Notfallbehandlung (4 Wochen Krankenhaus) kam er in einem noch üblen Zustand wieder hierher. Seine Oberarme sind noch eine offene Wunde und die Hitze tut das übrige. Shpresimi erzählte dann, dass alle Männer in seinem Krankenzimmer immer in Wutsalven ausbrachen, bevor das „Verbandskommando“ kam. Dann brüllten alle wie die Tiere vor Schmerz, weil die Verbände ohne Schmerzmittelgabe einfach runtergerissen werden. Er schluchzt nach dem Verbandswechsel bei uns und bedankt sich für die humane Behandlung. Und er sagt noch, er habe nie gebrüllt, weil er das nicht gewöhnt sei. Ich schlucke und denke nun an die kleine vierjährige Luisa, die schwer verbrannt im Krankenhaus war und jetzt total traumatisiert auch zu uns kommt. Sie ist sicher ein  Leben lang von diesen brutalen Erfahrungen geprägt. Und ich frage mich natürlich, wie wir bei so einer Kleinen, die wir trotz allem verbinden müssen, noch Mindestvertrauen aufbauen können, Angst nehmen, Hilflosigkeit abbauen usw.  Schwester Michaela hat zu ihr nun einen guten Draht gefunden und Luisa lässt sie an ihre Wunden. Ich denke immer, wenn ich Luisa sehe, an eine Vierjährige, die mir vor ein paar Jahren schlichtweg aus Verzweiflung und Angst blitzschnell in den Hals gebissen hat. Wenn ich dann drandenke, wie wir vor einigen Wochen mit Antonio in Zürich in der Kinderklinik waren und er bereits für die Blutabnahme ein Schmerzpflaster im Voraus bekam;  dann muss ich mir verbieten zu vergleichen. Uns geht es inzwischen so, dass wir auch Patienten abweisen müssen, da wir den Zulauf nicht mehr schaffen. Und manchmal fährt auch schon mal die Ambulanz mit Blaulicht bei uns vor und möchte Patienten bringen. Dies lehnen wir jedoch strikt ab, obwohl es uns auch nicht gut geht dabei. Wir hoffen, dass die Menschen eines Tages ihr Recht auf menschlichen Umgang einfordern und nicht mehr alle Schikanen erdulden. Sie müssen für diese Tortur auch noch eine ganze Menge bezahlen.

Bertrami, ein Kleiner aus unserem Kindergarten, hat vor einigen Tagen auf tragische Weise seinen Papi verloren. Dieser Mann hatte Arbeit. Er war Kanalarbeiter. Er stieg ohne Schutzmaske und Schutzkleidung in einen verstopften Schmutzwasser-Kanal und erstickte. Es wird erzählt, dass der Unternehmer einen Fond für Schutzmasken und Schutzkleider für seine Arbeiter  bekommen hat,  dieses Geld aber in die eigene Tasche steckte. So musste der junge Mann sterben. Zwei Kollegen wollten ihn noch retten, wurden dann selber bewusstlos geborgen. Jetzt wird alles vertuscht und die Frau mit kleinen Kindern bekommt keinen Pfennig. Dies ist der Beginn der totalen Verelendung der Familie, eine  von vielen. Der Arbeiter allein wird für schuldig erklärt, weil er leichtsinnig war. Keiner sagt etwas und verlangt nach Arbeitsschutz, weil er Angst hat, seinen Job zu verlieren. So bleibt die Anonymität in  einem korrupten Systems; der graue Schleier, unter dem alles zugedeckt wird. Verantwortung ist ein Fremdwort. Der kleine Mann riskiert jedoch sein Leben im täglichen Einsatz.


So löschen gerade über Bardhaj die Männer mit blossen Händen und ein paar Ästen oder Stöcken das Buschfeuer und versuchen ihr Dorf zu retten. Die Badesaison hat auch be-gonnen und täglich hören wir von Badeunfällen. Oft gibt es keine Aufsicht und Rettungs-schwimmer am Strand.  Die Ambulanz in Velipoje, die dort positioniert ist, hat jedoch kein Benzin mehr für Rettungsfahrten. Dies brachten sogar die örtlichen Nachrichten.


Und doch suchen die Menschen besonders am Abend die Gemeinschaft. In der Stadt ist viel los, die Menschen trotzen dem Wassermangel, dem Stromausfall, der Hitze. Wir staunen oft, wie durchhaltefähig die Menschen sind, wie sie ihre Überlebensstrategien finden und uns eines vormachen: jeder Tag ist ein neuer Tag. Und wenn man lebt, dann lebt man.  Und so sitzen auch wir hin und wieder unter unserer Trauerweide und sinnieren über Gott und die Welt, die immer noch ist.  Anja, unsere erste Praktikantin, ist gerade da und bringt Neuigkeiten aus Sarajevo. Schwester Laetitia zaubert leichte Töne aus ihrer Querflöte, die wie ein frischer Wind in der Abendhitze sind und Kühlung versprechen. Und so bitte ich den Schöpfer wie jeden Abend, dass ER Seinen Segen über dieses Land senden und die Welt vor Unheil bewahren möge.
Mit herzlichen Gruss und Dank für all Eure Unterstützung. Gott segne Euch und uns alle


Eure Sr. Christina

 

sommerhitze 1

 

sommerhitze 2

Toni feiert Geburtstag

Grüss Gott aus dem Klösterle in Dobrac, Albanien

Unser Antonio hat es genossen:

Am 12. Juni feierte er gebührend seinen 6.Geburtstag und dann am Tag danach gleich Namenstag. „Prinz Antonio war in Hochstimmung“, besonders dann als es Pizza gab.


Herzliche Segensgrüsse von der „Klosterfamilie“

 

100 0677 r 

 

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Frohe Ostern und was ein Osterhase mit der Auferstehung zu tun hat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde

grüss Gott auf Ostern hin. Das Leben will den Tod besiegen und tut es auch. Das Grün in der Natur bricht durch und unser Glaube an den, der das Leben selbst ist, lässt uns die Spuren der Auferstehung im täglichen harten Überlebenskampf der Menschen suchen und bezeugen. Weil ER auferstand, ist da die Frau, die dann doch nicht im 6. Monat ihr Kind dem Druck der Sippe preisgibt und abtreibt. Sie flieht hierher und holt den Segen und Hilfe. Und wir besuchen einen schwer Krebskranken, der tagelang vor Schmerzen geschrien hat, kein Schmerzmittel half. Ich ahne, dass der Schmerz auch noch woanders sitzt und da sagt er mir, dass sein Leben nun “fertig” ist. Ich sage ihm, dass es Ostern wird und für ihn weitergeht. Er lächelt und meint, er habe diese Worte gebraucht. Wir beten und ich segne ihn für diesen letzten Weg. Und wir lassen ihm natürlich Schmerzmittel. Und die Frau ruft an und sagt, “das Licht ist gekommen”. Nun feierten wir drüben in der Kirche den messianischen Einzug in Jerusalem. Das ist für unsere westlich sehr reiche und festliche Liturgiegewohnheit wieder mal eine “kalte Dusche”: Alles gleicht eher einem damaligen Aufruhr in Jerusalem und einem Chaos. Das Hosanna-Lied geht im Lärm und im Getratsche der Erwachsenen unter. Ich denke daran, dass es damals wohl nicht anders war und suche mich selbst in meiner Begegnung mit dem Sohne Davids.

Und dann ist da Abri, der in der Früh vor der Schule so kurz vor dem Fest ein wichtigeres Thema als die Albanischprüfung hat. Ihn beschäftigt, wie das denn mit dem Jesus war und seinem Leiden und seiner Auferstehung. Er erzählt lebendig und im Detail, als habe er in der Nacht selbst alles mit erlebt. Da fehlt nichts, auch nicht der Judas und der Petrus und der Pilatus, auch nicht dann das leere Grab und das Grosse der Auferstehung. Und dann kommt die wichtige Frage: “und hat der Osterhase die Auferstehung gesehen? Wo war der denn da und da gibt sich der Abri dann selbst die Antwort: “klar, sonst wäre er ja kein Osterhase. Und der ist international und ein bisschen deutsch und albanisch und hat alle “Blute” der Nationen in sich und seitdem rennt er in der ganzen Welt rum und teilt in den Osternestern die Ostereier nur für die Kinder aus.

Und da wir heuer eine Hündin haben, die am Boden alles ausbuddelt und rum beisst, gibt es bei uns im Klostergarten wohl das erste Hängeosternest im Apfelbaum. Und da Osterhasen ja schliesslich nicht wie Weihnachtsengel fliegen können, hat der Osterhase eine super gebastelte Baumleiter zum Raufklettern.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Halleluja in der Freude unseres Gottes, der lebt und lebendig macht

Eure Sr. Christina mit allen aus dem Klösterle in Dobrac

 

 

ostern2017

Herzlich Willkommen auf unserer neu gestalteten Webseite!

Wie Sie unschwer erkennen können, wurde unser Webseite neu gestaltet. Dies war dringed erforderlich, da es nur noch bedingt möglich war, unsere Homepage auf Smartphones und Tablets richtig zu betrachten zu können.

Unserer Seite fehlen momentan noch einige Inhalte der Vorgängerversion. Es wird in Zunkunft wieder ein Archiv und später natürlich auch einen Adventskalender geben.

So hoffe ich, dass Sie unsere neue Webseite anspricht. Für Wünsche oder Anregungen können Sie mir unter Kontakt eine Nachricht hinterlassen.

 

Stephan Söllner

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